Samstag, 10. Mai 2014

Papst Franziskus: "Sei mutig und geh' zur Beichte!" - Gott vergibt jedem reumütigen Sünder

Durch die Sakramente der christlichen Initiation –Taufe, Firmung und Eucharistie – empfängt der Mensch das neue Leben in Christus. Wir alle wissen jedoch, dass wir dieses Leben »in zerbrechlichen Gefäßen« tragen (2 Kor 4,7), immer noch der Versuchung, dem Leiden, dem Tod unterworfen sind und aufgrund der Sünde sogar das neue Leben verlieren können.

Daher wollte der Herr, dass die Kirche sein Heilswerk auch an den eigenen Gliedern fortsetzt, insbesondere durch die Sakramente der Versöhnung und der Krankensalbung, die vereint werden können unter dem Namen »Sakramente der Heilung«. Das Sakrament der Versöhnung ist ein Sakrament der Heilung. Wenn ich zur Beichte gehe, dann tue ich das, um Heilung für mich, Heilung für meine Seele, Heilung für mein Herz zu erlangen und etwas zu heilen, das ich getan habe und das nicht gut ist. Das biblische Bild, das sie in ihrer tiefen Verbundenheit am besten zum Ausdruck bringt, ist die Episode der Vergebung und Heilung des Gelähmten, wo Jesus, der Herr, sich als Arzt der Seele und des Leibes zugleich offenbart (vgl. Mk 2,1-12; Mt 9,1-8; Lk 5,17-26).

1. Das Sakrament der Buße und der Versöhnung geht unmittelbar aus dem Ostergeheimnis hervor. Denn noch am Abend des Paschafestes erschien der Herr den Jüngern, die sich im Abendmahlssaal eingeschlossen hatten. Und nachdem er den Gruß »Friede sei mit euch!« an sie gerichtet hatte, hauchte er sie an und sagte: »Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben« (Joh 20,21-23). Dieser Abschnitt offenbart uns die tiefste Dynamik, die in diesem Sakrament enthalten ist.

Zunächst die Tatsache, dass die Vergebung unserer Sünden nicht etwas ist, das wir uns selbst geben können. Ich kann nicht sagen: Ich vergebe mir die Sünden. Um Vergebung bittet man, bittet man einen anderen, und in der Beichte bitten wir Jesus um Vergebung. Die Vergebung ist nicht Frucht unseres Mühens, sondern sie ist ein Geschenk, sie ist ein Geschenk des Heiligen Geistes, der uns in die Barmherzigkeit und Gnade eintaucht, die unablässig vom geöffneten Herzen des gekreuzigten und auferstandenen Christus ausströmt.

Zweitens erinnert er uns daran, dass wir nur wenn wir uns in Jesus mit dem Vater und mit den Brüdern versöhnen lassen, wirklich im Frieden sein können. Und das haben wir alle im Herzen gespürt, wenn wir zur Beichte gehen, mit einer Last auf der Seele, etwas Traurigkeit. Und wenn wir die Vergebung Jesu erfahren, sind wir im Frieden, mit jenem so schönen Frieden der Seele, den nur Jesus schenken kann, nur er. 

2. Mit der Zeit ist die Feier dieses Sakraments von einer öffentlichen – denn am Anfang wurde sie öffentlich vollzogen – zur persönlichen Form übergegangen, zur vertraulichen Form der Beichte. Dadurch darf jedoch nicht der kirchliche Ursprung verlorengehen, der den lebensspendenden Kontext bildet. Denn die christliche Gemeinde ist der Ort, an dem der Heilige Geist gegenwärtig wird, der die Herzen in der Liebe Gottes erneuert und alle Brüder in Christus Jesus vereint.

Es genügt also nicht, den Herrn im eigenen Verstand und im eigenen Herzen um Vergebung zu bitten, sondern es ist notwendig, die eigenen Sünden demütig und vertrauensvoll dem Diener der Kirche zu beichten. In der Feier dieses Sakraments vertritt der Priester nicht nur Gott, sondern die ganze Gemeinschaft, die sich in der Schwäche eines jeden ihrer Glieder selbst wiedererkennt, die tief bewegt seine Reue vernimmt, die sich mit ihm versöhnt, die ihn ermutigt und ihn auf dem Weg der Umkehr und der menschlichen und christlichen Reife begleitet.

Jemand könnte sagen: Ich beichte nur bei Gott. Ja, du kannst zu Gott sagen: »Vergib mir«, und deine Sünden bekennen, aber unsere Sünden richten sich auch gegen die Brüder, gegen die Kirche. Daher ist es notwendig, die Kirche, die Brüder in der Person des Priesters um Vergebung zu bitten. »Aber Vater, ich schäme mich…« Auch die Scham ist gut, es ist gesund, etwas Scham zu empfinden, denn sich schämen ist heilsam. Wenn ein Mensch keine Scham empfindet, dann sagen wir in meinem Land, dass er ein »schamloser « Mensch ist: ein Mensch »sin verguenza«. Aber auch die Scham tut wohl, denn sie macht uns demütiger, und der Priester nimmt mit Liebe und mit Zärtlichkeit diese Beichte entgegen und vergibt im Namen Gottes.

Auch vom menschlichen Gesichtspunkt her, um sein Herz auszuschütten, ist es gut, mit dem Bruder zu sprechen und dem Priester diese Dinge zu sagen, die mein Herz so schwer machen. Und man spürt, dass man sein Herz vor Gott ausschüttet, mit der Kirche, mit dem Bruder. Habt keine Angst vor der Beichte! Wenn man ansteht, um zu beichten, spürt man all diese Dinge, auch die Scham, aber dann, nach der Beichte, geht man frei heraus, groß, schön, versöhnt, weiß, glücklich. Das ist das Schöne an der Beichte!

Ich möchte euch fragen – sagt es aber nicht mit lauter Stimme, jeder möge in seinem Herzen antworten –: Wann hast du zum letzten Mal gebeichtet? Jeder denke darüber nach… War es vor zwei Tagen, vor zwei Wochen, vor zwei Jahren, vor 20 Jahren, vor 40 Jahren? Jeder möge nachrechnen, aber ein jeder sage sich: Wann habe ich zum letzten Mal gebeichtet? Und wenn viel Zeit vergangen ist, dann verliere keinen Tag mehr, geh hin, denn der Priester wird gütig sein. Jesus ist da, und Jesus ist gütiger als die Priester, Jesus nimmt dich an, er nimmt dich sehr liebevoll an. Sei mutig und geh zur Beichte!


Papst Franziskus
 (Katechese über das Sakrament der Buße bei der Generalaudienz am 19.02.2014)
(Video) 

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"Auch die Priester müssen beichten, auch die Bischöfe: wir sind alle Sünder. Auch der Papst beichtet alle vierzehn Tage, denn auch der Papst ist ein Sünder." (Papst Franziskus am 20.11.2013)

"Gewiss, Gott vergibt jedem reuigen Sünder, persönlich, aber der Christ ist an Christus gebunden, und Christus ist eins mit der Kirche." (Papst Franziskus am 20.11.2013)

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Aus dem Katechismus der Katholischen Kirche (KKK):
1861 Die Todsünde ist wie auch die Liebe eine radikale Möglichkeit, die der Mensch in Freiheit wählen kann. Sie zieht den Verlust der göttlichen Tugend der Liebe und der heiligmachenden Gnade, das heißt des Standes der Gnade, nach sich. Wenn sie nicht durch Reue und göttliche Vergebung wieder gutgemacht wird, verursacht sie den Ausschluß aus dem Reiche Christi und den ewigen Tod in der Hölle, da es in der Macht unseres Willens steht, endgültige und unwiderrufliche Entscheidungen zu treffen. Doch wenn wir auch beurteilen können, daß eine Handlung in sich ein schweres Vergehen darstellt, müssen wir das Urteil über die Menschen der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit Gottes überlassen.


Weiteres zum Thema "Beichte/ Umkehr":


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