Samstag, 17. Mai 2014

Maiandacht 17. Tag - Maria, die opferstarke Magd des Herrn


Siehe, dieser ist bestimmt zum Fall 
und zur Auferstehung vieler in Israel
und zum Zeichen, dem man widersprechen wird.
Ein Schwert wird deine eigene Seele durchdringen,
auf dass die Gedanken vieler offenbar werden. 
(Luk 2, 34.35)


Magd sein bedeutet, dass jemand seine Kräfte in den Dienst eines anderen stellt. Magd des Herrn sein will sagen, dass Maria ganz Gott angehören, dass sie all ihre Kräfte und Fähigkeiten in seinen Dienst stellen will. Bei Maria ist das eine völlige Hingabe ihrer selbst an Gott.

So tritt zu der Unterwerfung im Glauben, zu der Zuversicht auf Gottes Vorsehung die frohe, opferstarke Bereitschaft hinzu, alles zu tun und zu tragen, was der Herr will. Wer dem Herrn dient, muss sich selbst und all seinen Wünschen entsagen können, muss bereit sein, jedes Opfer zu bringen, das von ihm verlangt wird. Das war der Opferwille der Gottesmutter. Ein Doppeltes schließt er in sich: sich selbst hingeben an Gott und hingeben das, was ihr lieber ist als das eigene Leben: ihr göttliches Kind. Sieh, wie dieser starkmütige Opferwille Mariens sich zeigt.

Den Gesetzen getreu schreitet Maria hinauf zum Tempel. Außer dem greisen Simeon und der Prophetin Anna weiß niemand in Jerusalem um das göttliche Geheimnis, das sie in ihren Armen trägt. In den Augen der Welt ist es ein Tempelgang, den jede Mutter mit ihrem Erstgeborenen Knäblein macht.

Aber Maria weiß, dass es für sie mehr bedeutet; sie weiß, dass sie mit dem Paar Turteltauben ihr Kind nicht loskaufen kann, um es für sich zu besitzen. Für sie ist die Aufopferung Jesu im Tempel schon der Anfang des Verzichtes. Sie darf nur hüten und pflegen, was Gott ihr in seiner Vatergüte geschenkt hat. Der himmlische Vater wird dieses Kind wieder von ihr zurückfordern: es ist und bleibt sein Kind, sein Eigentum. Von diesem Kinde spricht der greise Simeon: "Dieser ist bestimmt zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel." Diese Hingabe, dieses Zurückgeben an Gott wird von der Mutter viel Kraft verlangen, unter Weh und Leid nur wird sie es vollbringen können.

"Deine Seele wird ein Schwert durchdringen." So groß wird das Leid sein. Warum so groß? Weil dieses Hingeben Trennung bedeutet und Loslösung. Auf die menschlichen Banden zwischen Mutter und Kind muss Maria immer mehr verzichten. Christus gehört dem Vater. Darum muss Maria iher Kind aufopfern, damit Christus, dem Willen des Vaters gemäß, - sich für uns opfern und uns gehören kann.

Diese Loslösung wird deutlich zwölf Jahre später, wiederum im Tempel, im Hause des Vaters. Maria möchte noch Mutterrechte geltend machen; die Antwort aber lautete: "Wusstet ihr nicht, dass ich in dem aufgehen muss, was meines Vaters ist?" Immer mehr muss die Person Mariens zurücktreten.

Auf der Hochzeit zu Kana erkennt sie, dass nicht sie es ist, die die Stunde für des Herrn Wundermacht bestimmt: es ist allein der Vater. Und wiederum, da Maria und die Anverwandten Jesus während seines öffentlichen Wirkens aufsuchen und jemand ihm meldet: "Siehe, deine Mutter und deine Brüder*) sind draußen und wollen dich sprechen", da ruft er aus: "... Wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter!"

Den Höhepunkt der Loslösung und Entsagung aber erlebt Maria unter dem Kreuze, da sie ihr Kind im Tode hingeben muss und an seiner Stelle uns  als ihre Kinder empfängt. Und starkmütig hat Maria jedes Opfer vollbracht. Sie ist fürwahr die opferstarke Magd des Herrn geworden.

Siehe, meine Seele, wenn du nur ein wenig der Gottesmutter ähnlich werden willst in ihrem dienenden Magdtum, dann musst auch du entsagen können. Über dir und deinem Willen muss immer Gottes Wille stehen. Du musst auch den irdischen Dingen entsagen können, wenn sie dich von Gott trennen oder dir hinderlich sind im Dienste Gottes. 

Löse dich los von allem, was du ungeordnet liebst auf Erden, von eitlem Geld und Gut, von Ehre und Ansehen. Besser ist es, von den Menschen verachtet zu werden, dafür aber in Gottes Ehrendienst zu stehen. Maria findest du nicht, wenn der Heiland geehrt wird, aber in Verachtung und Schmach war sie bei ihm. In dem Maße, als du entsagst, wirst du empfänglich für die Gnade Gottes.

Wir beten ein Ave Maria, um wahre Opferkraft zu erlangen:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Keiner von euch kann mein Jünger sein, 
der nicht all seinem Besitztum entsagt. (Luk 14,33)
Jeder, der Haus, Bruder, Schwester, Vater, Mutter, 
Kind und Acker um meines Namens willen verlässt,
wird alles hundertfach wiedererhalten und das ewige Leben erben. (Mt 19,39)


Gebet:
Göttlicher Heiland! Deine heiligste Mutter hat uns ein Beispiel gegeben, wie wir allem Irdischen entsagen, uns selbst verleugnen und dir nachfolgen sollen. Siehe, wir haben den guten Willen, in Selbstverleugnung und Abtötung dir nachzufolgen. Aber du kennst unsere Schwachheit. So bitten wir dich denn: Komm du unserer Schwachheit zu Hilfe. Sei du unser Lehrmeister, wir wollen deine Jünger sein. Amen.

*) "Brüder des Herrn" sind nicht leibliche Brüder, sondern nahe Verwandte, die man früher als Brüder bezeichnete. So werden z. B. zwei Jünger, Jakobus und Joseph, die Söhne des Kleophas, "Brüder des Herrn" genannt. (Anm.: Eine Erklärung dazu siehe auch hier bei Dr. Ludwig Neidhart)


Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 53-56 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)


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