Freitag, 16. Mai 2014

Maiandacht 16. Tag - Maria, die vertrauende Magd des Herrn

Ich, der Herr dein Gott, bin es,
der deine Hand fasst und zu dir spricht:
"Fürchte dich nicht, ich helfe dir." (Is 41,13)
Gesegnet der Mensch,
der sein Vertrauen auf den Herrn setzt,
und dessen Zuversicht der Herr ist. (Jer 17,7)

Wo der Glaube in der Seele feste Wurzeln geschlagen hat, da wächst neben dem Baum des Glaubens ein zweites grünendes Reis: Die Hoffnung, das Vertrauen. Mariens Seele ist ganz Gott zugewandt in einem festen unbeirrbaren Glauben. Nun erkennt sie auch in allen Fügungen und Schickungen Gottes Vaterhand. Ihr vertraut sie sich an. Immer bleibt sie ruhig und gelassen. Gott wird sorgen.

In ihrer Demut mag Maria nicht zu Joseph sprechen von ihrer hohen Begnadigung. Joseph will sie nach den Vorschriften des Gesetzes entlassen. Es ficht sie nicht an; sie vertraut: Gott wird sie nicht verlassen. Und als dann das Kindlein in ihren Armen ruht und in ihrer Seele noch das Frohlocken ist ob der Huldigung, die die ferne Heidenwelt in den drei Weisen dem Gotteskinde, ihrem Kinde, dargebracht hat, da droht schon Gefahr für das Kind: Herodes, der grimme König, hat seine Söldner bereits ausgeschickt, alle Kindlein in Betlehem zu ermorden. Wie mag Maria zumute gewesen sein, als sie die Forderung an Joseph vernimmt: "Nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten." Alle Ängste und Muttersorgen um ihr heimatloses Kind, das sie durch die Flucht retten soll, muss sie durchkosten.

Und doch ist sie unverzagt. Wie sie es einst in der Stunde der Berufung ausgesprochen, so mag sie es jetzt in ihrem Geiste wiederholen: "Ich bin die Magd des Herrn." Demütig und vertrauensvoll schickt sie sich in Gottes Willen. Sie vertraut auf ihn; er wird ihr helfen. So zieht sie mit ihrem Kinde unter Josephs Führung dahin, durch die Wüste in das fremde Land, - unerkannt, heimatlos, einem ungewissen Schicksal entgegen.

Und trotz allem ist ihre Seele nicht voll Bitternis und Klagen; immer  vertraut sie zuversichtlich in froher Hoffnung, dass Gott alles zu einem guten Ende führt. Dann auch später, als auf der Hochzeit zu Kana ihr mütterliches Herz den Sohn aufmerksam macht auf die Sorge der Brautleute, selbst als sie scheinbar eine Zurückweisung erfährt, verlässt sie doch nicht das Vertrauen auf die göttliche Macht. Drum spricht sie zu den Dienern: "Was er euch sagt,das tut."

Es ist etwas Großes um das Vertrauen der Menschenseele auf Gott und seine Vorsehung. Wir glauben an Gott, an Christus und die Erlösung. Darum dürfen wir auch hoffen und vertrauen, dass Christus unsere Seele mit seiner Gnade führt und leitet. Frohe Hoffnung dürfen wir hegen, dass durch sein Blut auch unsere Sünden getilgt werden und einst der Himmel für uns offensteht.

Je mehr wir uns Gott demütig unterwerfen, desto mehr können wir hoffen und vertrauen, dass er in allen Nöten Leibes und der Seele uns nicht verlässt. Gottes Vorsehung waltet über die ganze Welt, über alle Geschöpfe. Warum willst du verzweifeln, meine Seele, wenn Leid und Not dich trifft? Höre, was der Herr selber sagt: "Betrachtet die Vögel des Himmels: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: euer himmlischer Vater erhält sie doch. Seid ihr nicht viel mehr als sie?"

Hast du wirklichen Glauben an diesen himmlischen Vater? Warum willst du dich nicht ganz ihm anvertrauen? Oft, wenn du meintest, versinken zu müssen, hat seine Hand dich gerettet. In vieler Not hat er dir geholfen. Warum willst du jetzt verzagen? Gläubig vertrauender Sinn hat das Wort geprägt: "Wo die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten." Verlass dich ganz auf Gott, er wird dich nicht verlassen. Erfülle den Willen Gottes in allem und handle nach seinen Geboten, wie Maria es getan und du kannst versichert sein, dass Gott dir helfen wird. Vertraue Gott wie Maria, die vertrauende Magd des Herrn.

"In aller Trübsal, in aller Not, wird er dich beschirmen, der treue Gott!"

Wir beten ein Ave Maria und bitten die Gottesmutter, dass sie uns ein unerschütterliches Gottvertrauen erflehen wolle:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Stell deinen Weg dem Herrn anheim,
vertrau auf ihn, er wird's schon machen. (Ps 36,5)
Wirf deine Sorgen auf den Herrn, so wird er dich erhalten.
Drum will ich bauen, Herr, auf dich. (Ps 36,5)


Gebet: 
Allwissender, allweiser Gott! Deiner gütigen Fürsorge hat die Mutter Maria sich anvertraut in aller Not und Gefahr. Wir bitten dich: Durch die Fürsprache dieser Mutter schenke auch uns ein unerschütterliches, gläubiges Vertrauen auf deine Vorsehung. Selbst in Kreuz und Leid lass uns nicht verzagen, denn du bist unser Vater, der uns liebt und den rechten Weg führt zur ewigen Seligkeit. Amen.        


Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 51-53 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)



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