Donnerstag, 3. April 2014

Reform der Kirche und der Ruf nach Armut



Wenn die Forderungen nach einer Reform der Kirche in der Öffentlichkeit mit dem Ruf nach Armut und Bescheidenheit verbunden wird, geht es nicht selten um ein ganz anderes Ziel: nämlich darum, im Rahmen eines Kulturkampfes das kirchliche Leben, wo es sich nicht auf den caritativen Bereich reduzieren lässt, ins Private oder in gesellschaftliche Randbereiche abzudrängen.

Natürlich kann die Kirche auch in Hausgemeinden und Hinterhöfen gedeihen. Bisweilen hat sie ihre größte Stärke in Katakomben und Konzentrationslagern entwickelt. Und natürlich ist es richtig, wenn Priester, wie von Papst Franziskus gefordert, in die Favelas gehen und die Messe in Scheunen und Garagen lesen. Vollzieht sich die Liturgie würdig und recht, so kann auf diese Weise die Herrlichkeit Gottes durchaus in die Armut der Welt hineingetragen werden. Dann kann selbst eine KZ-Baracke zur Kirche und eine Scheune zum Thronsaal Gottes werden.

Doch wenn wir die Liturgie nicht angemessen feiern, wenn unsere Priester aus Anbiederung, Eigensinnigkeit oder falscher Scham die Liturgie ihrer Schönheit und Erhabenheit berauben, dann geschieht das Gegenteil. Dann wird Gott in einer selbstherrlichen Welt arm gemacht. Dann läuft selbst der Petersdom Gefahr, zu einer Garage zu werden. Dann lassen wir zu, dass die Basiliken Gottes, die seit jeher auch die Paläste der Armen und Schwachen waren, zu Scheunen herabsinken, während die Thronsäle der Reichen und Mächtigen, in denen das Gewand Christi zerschnitten wird, zu Tempeln neuer Götzen werden...


Peter Stephan, "Ein ästhetisches Manifest: Keine Angst vor der Pracht! - Sinn und Schönheit des liturgischen Ornats"; UNA VOCE Korrespondenz 2013/4 (z. Z. hier online zu lesen);



Siehe auch: 


 
Foto: Kardinal Francis Alphonsus Bourne, Erzbischof von Westminster, beim Besuch Irischer Truppen ca. 1918, flickr commons

Kommentare:

  1. Und verlieren wir auch nicht aus den Augen, dass ausgerechnet Kardinal Marx, der unter Papst Franziskus einen sensationellen Karrieresprung gemacht hat, in München ein Rokokopalais bewohnt, sich in Rom eine millionenteure Zweitresidenz zugelegt hat, nur den dicksten BMW fährt und gerade für zig Millionen Euro einen Protzbau für sein Ordinariat plant.

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  2. Man sollte sich den Hl. Pfarrer von Ars anschauen. Für Gott und den Gottesdienst war ihm nichts zu teuer und das Beste war gerade gut genug. Dagegen war sein persönlicher Lebensstil äußerst ärmlich und karg.
    Er gab uns allen ein Beispiel, nicht jeder kann das begreifen. Aber am Ende eines jeden Lebens muß der Mensch für sich persönlich Rechenschaft ablegen.

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