Donnerstag, 13. Februar 2014

Brief einer Mutter an den Trierer Oberhirten: "Wie soll man das Heranwachsenden erklären?"

Folgenden Brief (per eMail) schrieb eine Mutter am 07. Februar 2014 an den Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann zu dessen Äußerungen zur kirchlichen Lehre in einem Interview mit der "Allgemeinen Zeitung" (06. Februar 2014):
07. Februar 2014

Sehr geehrter Bischof Ackermann,

als sechsfache Mutter von Kindern, die so langsam in das “heiratsfähige Alter” kommen, nämlich zwischen 14 und 24 Jahre alt, und die daher gerade in einer besonderen Orientierungsphase ihres jungen Lebens sind, protestiere ich auf’s Schärfste gegen Ihre relativierenden Äußerungen zur Sexualmoral der katholischen Kirche!

Wie in der Wormser Zeitung zu lesen ist, sind Sie der Meinung, es sei “nicht mehr zeitgemäß, eine neue Ehe nach einer Scheidung als dauernde Todsünde anzusehen”, und es sei “nicht haltbar, jede Art von vorehelichem Sex als schwere Sünde zu bewerten”. Sie meinen, es gäbe Fälle, in denen vorehelicher Sex “verantwortbar” sei. Es gehe “nicht an, dass es nur das Ideal auf der einen und die Verurteilung auf der anderen Seite” gebe. (Quelle: Wormser Zeitung)

Damit zerstören Sie jeden Versuch, Heranwachsenden die Botschaft des Evangeliums von einem gelingenden Leben nach Gottes Geboten nahezubringen. Zur Erinnerung: Das sechste und neunte Gebot des Dekalogs gebietet uns, in standesgemäßer Keuschheit zu leben und die Ehe nicht zu brechen und zwar weder die eigene, noch die des Anderen. Auch wenn das Wort “Keuschheit” bei deutschen Bischöfen schon lange nicht mehr vorkommt, so bleibt diese Tugend doch als erstrebenswertes Ideal des Christen bestehen um ein Leben in Fülle zu haben.

Und ja, es gibt “nur das Ideal auf der einen und die Verurteilung auf der anderen Seite”, wie es auch in der Enzyklika “Veritatis splendor” sehr differenziert dargelegt ist:

“Die Kirche hat immer gelehrt, daß Verhaltensweisen, die von den im Alten und im Neuen Testament in negativer Form formulierten sittlichen Geboten untersagt werden, nie gewählt werden dürfen. Wie wir gesehen haben, bestätigt Jesus selber die Unumgänglichkeit dieser Verbote: »Wenn du das Leben erlangen willst, halte die Gebote! ... Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen« (Mt 19, 17-18).” (“Veritatis splendor”, Nr. 52)


Ihre Äußerungen ermuntern Jugendliche und Eheleute dazu,  Gottes Gebote geringzuschätzen und zu übertreten und sich dem geistlichen Tod durch schwere (=Tod-)Sünden auszusetzen. Damit gefährden Sie das Seelenheil all derjenigen, die Ihre Worte ernst nehmen und danach handeln, weil sie Ihnen als katholischem Bischof Vertrauen schenken. Aber es ist noch immer so - und wird immer Lehre der Kirche bleiben - dass eine Todsünde daran hindert, am verheißenen Erbe teilzuhaben (d.h. dass sie die ewige Verdammnis nach sich zieht), sollte die Person in dieser Seelenverfassung sterben. Sie übernehmen dafür die Verantwortung und berauben diejenigen Personen des ewigen Glücks? Das ist - für einen katholischen Bischof - ungeheuerlich!

Statt diese Ihre Meinung öffentlich zu machen, sollten Sie eher die Lehre der Kirche darlegen und den Menschen, vor allem den Gläubigen, “reinen Wein” einschenken. Seien Sie ehrlich zu den Leuten und erklären ihnen die frohe Botschaft und dass die Kirche dazu da ist, Sündern, die ihre Schuld bereuen, in Jesu Namen diese Sünden von ihnen zu nehmen und Vergebung zu schenken! Rufen Sie endlich die Menschen zur Umkehr auf, zu Buße und Sühne für die vielen Gott zugemuteten Sünden. Sie kennen doch das Ergebnis der deutschen Bischofskonferenz zur Vatikan-Umfrage zur Ehe- und Familienpastoral. Spätestens da müssten Sie doch erkannt haben, dass die Bischöfe es sträflich vernachlässigt haben, den Gläubigen die katholische Lehre vorzulegen und zu erklären!

Zu der Diskussion um die eingetragene Lebenspartnerschaft von Homosexuellen sagen Sie entgegen der kirchlichen Lehre: …wenn aber durch eine eingetragene Lebenspartnerschaft Treue und Verantwortung gestützt würden, "dann können wir dieses Verantwortungsbewusstsein nicht ignorieren" - und ermutigen dadurch Homosexuelle etc. zu “eingetragenen Lebenspartnerschaften “. Damit ermutigen Sie auch christliche Homosexuelle, solche zivilen, eheähnlichen Verbindungen einzugehen, deren Grund nicht in erster Linie Treue und Verantwortung sind, sondern an erster Stelle homosexuelle Praktiken. Ärgernis und Sünde sind hier doch nicht Treue und Verantwortung, sondern widernatürliche Akte des Geschlechtsverkehrs. Deshalb machen Sie es christlichen, wirklich Gott suchenden Homosexuellen, die ebenso wie alle anderen aufrichtigen Gläubigen versuchen, ein tugendhaftes Leben zu führen, mit Ihren Aussagen unmöglich, Gottes Geboten gemäß zu leben. Was für eine Verantwortung!

Wie sollen wir Eltern die uns von Gott anvertrauten Kinder im Glauben erziehen und von ihnen erwarten, dass sie die Gebote Gottes und der Kirche halten, wenn selbst die Bischöfe diese Gebote relativieren und für angeblich nicht mehr gültig erklären? Sie bringen damit uns und unsere Kinder in große Gewissenskonflikte, da wir Ihnen - trotzdem Sie  katholischer Bischof sind - kein Vertrauen mehr entgegenbringen können.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, die Enzyklika “Veritatis splendor” aus dem Jahre 1993 von Papst Johannes Paul II. zu lesen und zu verinnerlichen. Viele Ihrer problematischen Äußerungen werden hier eine Antwort finden.

Von einem katholischen Bischof erwarte ich, dass er den ihm anvertrauten Kirchenvolk den katholischen Glauben authentisch und unverkürzt vorlegt und erklärt, weiterhin, dass er ermutigt, nach diesem Glauben zu leben, der in Jesus Christus der einzige Weg zum ewigen Heil ist. Was ist denn das für eine Einstellung, wie sie in dem Antwortschreiben zum Vatikan-Fragebogen zur Bischofssynode 2014 zu finden ist, dass nämlich die Gläubigen etwas nicht als Sünde sehen (in dem Fall z. B. vorehelichen Geschlechtsverkehr oder auch künstliche Empfängnisverhütung etc.) und die kirchlichen Verantwortlichen erklären dann, dass es nicht mehr zeitgemäß sei, solche  Verhaltensweisen als Sünde zu bezeichnen? Nein, Aufgabe der Verantwortlichen ist es, gerade in solchen Situationen, den irrenden Gläubigen den Weg zu weisen und sie aufmerksam zu machen auf die Blindheit des durch die Sünde bereits verstummten Gewissens!

Ich bitte Sie sehr herzlich, Ihre oben gemachten Aussagen zu widerrufen. Ansonsten sind Sie nicht in der Lage, eine Ortskirche zu führen und zu heiligen, wie es Aufgabe des Bischofs ist. Sollten Sie sich nicht in der Lage sehen, Ihre skandalösen Ausführungen zu widerrufen und im Sinne der Lehre der Kirche richtigzustellen, rufe ich Sie zum Wohle der ganzen Kirche auf, von Ihrem Bischofsamt zurückzutreten! Sie sind kein Zeuge, sondern ein Verachter und Verdreher des Evangeliums, indem Sie die Worte unseres Herrn und Heilandes ins Gegenteil verdrehen.


In Erwartung Ihres Widerrufs oben gemachter Aussagen

mit freundlichen Grüßen

(...)
Empfohlene Lektüre:

Enzyklika “Veritatis splendor”:

Katechismus der katholischen Kirche (KKK): Berufung zur Keuschheit


 »Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, über seine Weisung nachsinnt bei Tag und Nacht« (Ps 1, 1-2). »Die Weisung des Herrn ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Gesetz des Herrn ist verläßlich, den Unwissenden macht es weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen« (Ps 19, 8-9). (zitiert aus “Veritatis splendor”)

Eine Antwort des Bischofs ist bisher nicht erfolgt. Allerdings erwartet die Verfasserin weniger eine persönliche Antwort als vielmehr ein Bekenntnis Bischof Ackermanns zur unverkürzten Lehre der Kirche...



Weiteres zu den umstrittenen Aussagen Bischof Ackermanns:

Und auch:


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