Samstag, 30. November 2013

Weihnachtsmann und Weihnachtskrieg


Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Vor einigen Jahren hat der amerikanische Nachrichtensprecher Bill O`Reilly einen "War on Christmas", einen „Krieg um Weihnachten“ angekündigt. Sein Kampf gilt den „professionellen Atheisten und Christen-Hassern“, deren Ziel es sei, das Christentum „aus Amerika zu entfernen und uns in eines dieser sinnentleerten Länder zu verwandeln, wie es sie in Westeuropa gibt.“ (SZ, 20.12.2005) Inbegriff des verfälschten Christfestes ist für den streitbaren Amerikaner wie auch für viele Gläubige der „sinnentleerten Länder Westeuropas“ der Weihnachtsmann, jener wohlgenährte, bärtige Alte in rot-weißem Gewand mit Bommelmütze. 

Seine Ursprünge liegen in der Gestalt des heiligen Bischofs Nikolaus von Myra, dessen besondere Mildtätigkeit ihren Niederschlag in einer Fülle von Legenden gefunden hat. Hochverehrt und innig geliebt in der Christenheit, ist er schon seit unvordenklicher Zeit Mittelpunkt vielfältiger Volksbräuche. Doch nach und nach muß das authentische Bild des großen Bekenners verlorengegangen sein, der in der Christenverfolgung um 310 noch für seine unbeugsame Glaubenstreue Gefangenschaft und Folter auf sich genommen hatte und später auf dem Konzil von Nizäa (325) den Irrlehrer Arius auf das heftigste bekämpft, ihn sogar öffentlich geohrfeigt haben soll. Harter Kampf für die Wahrheit und sanfte Güte schließen einander nicht aus... 

Jedenfalls verwandelte sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert der beliebte Heilige in den beleibten Weihnachtsmann, und dieser verdrängte nicht nur den heiligen Bischof, sondern in zunehmendem Maße auch das Christkind. Bald schon sollte er, nicht mehr St. Nikolaus oder der Gottessohn es sein, der die Menschen mit guten Gaben beschenkte. So dichtete bereits um 1840 August Heinrich Hoffmann von Fallersleben den Liedtext:

Morgen kommt der Weihnachtsmann,/ 
Kommt mit seinen Gaben:/ 
Trommel, Pfeife und Gewehr,/ 
Fahn und Säbel und noch mehr,/ 
Ja ein ganzes Kriegesheer,/ 
Möcht’ ich gerne haben...

(Daß in einer späteren Umdichtung aus den Kriegsspielzeugen „bunte Lichter, Silberzier,/ Kind und Krippe, Schaf und Stier,/ Zottelbär und Panthertier“ wurden, entbehrt nicht einer gewissen Komik!)

Die Werbung des Getränkeunternehmens „Coca Cola“ seit dem Jahr 1931 tat das Übrige, dem Siegeszug des Nikolaus-Surrogates internationale, ja globale Dimensionen zu sichern. Einmal auf dieses Niveau herabgesunken, dauerte es nicht mehr lange, bis aus dem noch einigermaßen ernsten und würdevollen Weihnachtsmann schließlich eine spaßige Witzfigur wurde, die in Cartoons bevorzugt als besoffener oder lüsterner Greis in verfänglichen Situationen dargestellt wird. Bar jedes höheren Bezugs, ist er jetzt vor allem für die profitable Nutzung des ehemals christlichen Festes von Bedeutung, wie aus den sinnigen Worten eines Handels-Verbandsprechers zum gut angelaufenen Weihnachtsgeschäft hervorgeht: „Der Weihnachtsmann hält den Schutzschirm über den Einzelhandel.“ (Die Welt, 1.12.2008) Vom Christkind hätte man das vermutlich nicht behauptet. 

Der Protest gläubiger Christen konnte und durfte nicht ausbleiben. In zwei wichtigen Anliegen hat er sich artikuliert: zur Ehrenrettung des verfälschten, verkitschten Nikolaus und zur Wiederherstellung des Weihnachtsfestes mit seinem zentralen Inhalt, der Geburt Jesu Christi. Die erste Richtung vertritt z.B. das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken mit der großangelegten Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“. Hier werden Informationen über das Leben des heiligen Nikolaus, aber auch Plakate und Aufkleber angeboten, auf denen ein typisches Bild des Weihnachtsmannes mit dickem Rot durchgestrichen ist; darüber sind die Worte „Weihnachtsmannfreie Zone!“ zu lesen. 

Noch grundsätzlicher ist das Anliegen derer, die um des Geheimnisses der Christgeburt willen den falschen Zauber der Warenwelt bekämpfen. Auch von dieser Seite (z.B. dem Innsbrucker Verein Pro Christkind) werden Aufkleber ähnlicher Aufmachung unter das Volk gebracht, auf denen über dem durchgestrichenen Weihnachtsmann steht: „Wir glauben ans Christkind“

Niemand ist verpflichtet, sich einem dieser Vereine anzuschließen oder einen solchen Aufkleber an seinem Auto anzubringen. Doch dürfen wir nicht hinter dem Berg halten mit unserer Ablehnung der leider so massenwirksamen Schändung heiliger Gestalten und höchster christlicher Feste. Wir können uns nicht aus dem Geschehen heraushalten, das der amerikanische Nachrichtensprecher als „Krieg um Weihnachten“ bezeichnete. Wenigstens in unserem Einflussbereich muss klar sein, wer darin den Endsieg davonträgt: Wie David den Riesen Goliath zu Fall brachte, wird die Wahrheit des Christkindes die mächtig aufgeblasene Mär vom Weihnachtsmann zum Platzen bringen. 

 


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)
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