Montag, 11. November 2013

Rom erwartet Rücknahme und Überarbeitung der Freiburger "Handreichung"

Laut der katholischen Zeitung "Die Tagespost" vom 11. November 2013 erwartet Papst Franziskus durch die Vermittlung der römischen Glaubenskongregation die Rücknahme und Überarbeitung der Freiburger „Handreichung für die Seelsorge zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung“, welche das Seelsorgeamt der Diözese Freiburg als "Orientierung für die pastorale Praxis in den kommenden Jahren" auch anderen Bistümern als vorbildlich in der Frage um die Zulassung von zivil wiederverheirateten Geschiedenen zur Nachahmung empfohlen hatte. Mehrere Bistümer hatten sich daraufhin positiv einige auch eher distanzierend zu der Handreichung aus Freiburg geäußert.

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller hat mit Datum vom 21. Oktober 2013 ein entsprechendes Schreiben an den ehemaligen Bischof der Diözese Freiburg und jetzigen Administrator Erzbischof em. Robert Zollitsch und dasselbe in Kopie an alle anderen deutschen Diözesanbischöfe gesandt. Der Entwurf der Handreichung zeige, dass diese zwar „richtige und wichtige pastorale Hinweise“ enthalte, so Erzbischof Gerhard Ludwig Müller in dem Brief, aber in der Terminologie unklar sei und in zwei Punkten nicht mit der kirchlichen Lehre übereinstimme.

Die erste Abweichung von der Lehre der Kirche besteht in der Suggestion, dass die Gläubigen in einer "verantwortlich getroffenen Gewissensentscheidung" zu der Meinung gelangen könnten, dass einem Sakramentenempfang nichts entgegenstehe - trotz ihres objektiv ungeordneten Lebensstandes und des Verharrens in dieser Unordnung. Demgegenüber betont Erzbischof Müller die in der Hl. Schrift gründende Praxis der Kirche, Gläubige, die in schwerer Sünde verharren, nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen.

Eine zweite Schwierigkeit der "Handreichung" sieht Erzbischof Müller in der "offiziellen Liturgie" (Diözesanfamilienseelsorger Pfr. Michael Schweiger), die den Gläubigen als Segensfeier zu ihrem "neuen Zukunftsprojekt" einer zweiten zivilen Ehe angeboten wird. „Feiern dieser Art wurden von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ausdrücklich untersagt“, schreibt der Präfekt der Glaubenskongregation.

Müller verweist auch auf seine Zusammenfassung der verbindlichen Lehre der Kirche „Zeugnis für die Macht der Gnade“, die bereits am 15. Juni 2013 in der "Tagespost" sowie am 23. Oktober im "L'Osservatore Romano", der Zeitung des Vatikans, veröffentlicht worden sei.
 
Das Schreiben der Glaubenskongregation ist im Wortlaut bei kath.net (hier) und auf Seite 7 der Ausgabe der "Tagespost" von Dienstag, den 12. November 2013 nachzulesen.


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Kardinal Müller am 16.12.2013 in einem ausführlichen Interview mit FOCUS online:

"Entsprechend unserer Amtspflicht hat die Kongregation die Überarbeitung der Handreichung eingefordert. In den Punkten, an denen sie der Glaubenslehre widerspricht, ist sie ohnehin ungültig und unwirksam. Es darf auch nicht der Eindruck erweckt werden, dass das Seelsorgeamt eines einzelnen Bistums die verbindliche Lehre nach eigenem Gutdünken verändern kann."
 
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 Weiteres zum Thema "Freiburger Handreichung":

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"[E]s wäre absurd, wollte ein katholischer Bischof den vom Papst autorisierten Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre kritisieren, weil er die Glaubenslehre unverkürzt dargelegt hat. Als Präfekt bin ich dem Papst persönlich verantwortlich und in dieser Sache sein erster und wichtigster Mitarbeiter. Insofern kann man meine Aussagen, die die Lehre der Kirche wiedergegeben haben, nicht einfach als eine private Meinungsäußerung eines einzelnen Theologen abtun."

(Das sagte Kardinal Müller am 16.12.2013 in einem ausführlichen Interview mit FOCUS online zu der Aussage von Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof Müller hätte in seiner Stellungnahme zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen lediglich seine private Meinung kundgetan und könne die Diskussion über das Thema nicht beenden.)

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