Mittwoch, 25. September 2013

Gut Ding braucht Weile - oder: Das Apostolat braucht eine geistliche Vorbereitung

Um Gott wahrhaft zu suchen, müssen wir ihn uns vorstellen: erstens, als den Urquell der Natur und der Gnade; zweitens, als den Erhalter aller Wesen; drittens, als den höchsten Herrn, der durch seine Vorsehung alles lenkt und fügt. So haben wir also jegliches Geschehnis, bis hin zum geringfügigsten, als im Willen Gottes und in seinem Wohlgefallen eingeschlossen zu betrachten. Gott suchen heißt nichts anderes wollen und wünschen, als was er will und durch seine Vorsehung anordnet. (...)

Eine andere vorzügliche Art, Gott zu suchen ist die, in allen Dingen kein anderes Ziel anzustreben, als die Verherrlichung Gottes. (...) Wir müssen uns darin so sehr von uns selber lösen, von unseren Interessen, Vorlieben, besondern Neigungen und Absichten, dass wir bereit sind, im Blick auf den Dienst Gottes und auf alles was uns helfen kann, Gott zu suchen und zu finden, jeglichem zu entsagen: denn außer Gott ist nichts begehrenswert in sich selbst, und alles übrige ist es nur im Hinblick auf ihn. Und zwar so sehr, dass die Suche nach etwas, was nicht Gott ist, die Mühe darum, das Gefallen daran Irrtum und Täuschung ist. (...)

Es gibt noch eine weitere Art, Gott zu suchen, die nicht leicht zu begreifen ist, solange man sie nicht übt: nämlich nicht allein nach seinem Willen und seiner Ehre, nicht allein nach seinen Geschenken, Gnaden, Tröstungen und nach Andachtsgefühlen zu begehren, sondern ihn selber zu suchen, in ihm zu ruhen und nur an ihm Geschmack zu finden. (...)

So muss es unsere größte und unablässige Sorge sein, Gott auf diese Weise zu suchen, und solange wir ihn nicht gefunden haben, dürfen wir uns nicht nach außen wenden zum Dienst am Nächsten, es sei denn probeweise. Wie Jagdhunde wollen wir sein, vorerst noch an straffer Leine. Sind wir dann ganz mit Gott vereint, so dürfen wir unserem Eifer größeren Spielraum gewähren und werden in einem Tage mehr ausrichten als zuvor in zehn Jahren.


Louis Lallemant; Geistliche Lehre; Johannes Verlag Einsiedeln; AD 1960 (s. Quellen); S.23-25



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