Dienstag, 9. Juli 2013

Mitleid

"Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken."

Gestern hat Papst Franziskus die von Flüchtlingen überschwemmte Mittelmeerinsel Lampedusa besucht, um auf das Elend der Flüchtlinge, die bei der Überfahrt vom afrikanischen Kontinent nach Europa oftmals das rettende Ufer nicht lebend erreichen, aufmerksam zu machen:
„Adam, wo bist du?“, „Wo ist dein Bruder?“ sind die zwei Fragen, die Gott am Anfang der Geschichte der Menschheit stellt und die er ebenso an alle Menschen unserer Zeit, auch an uns richtet.

Ich möchte aber, dass wir eine dritte Frage anfügen: „Wer von uns hat darüber und über Geschehen wie diese geweint?“ Wer hat geweint über den Tod dieser Brüder und Schwestern? Wer hat geweint um diese Menschen, die im Boot waren? Um die jungen Mütter, die ihre Kinder mit sich trugen? Um diese Männer, die sich nach etwas sehnten, um ihre Familien unterhalten zu können?

Wir sind eine Gesellschaft, die die Erfahrung des Weinens, des „Mit-Leidens“ vergessen hat: Die Globalisierung der Gleichgültigkeit hat uns die Fähigkeit zu weinen genommen! Im Evangelium haben wir das Geschrei, das Weinen, das laute Klagen gehört: „Rahel weinte um ihre Kinder … denn sie waren dahin“ (Mt 2,18). Herodes säte Tod, um sein eigenes Wohl zu verteidigen, seine Seifenblase. Und dies wiederholt sich weiter …

Bitten wir den Herrn, dass er austilge, was von Herodes auch in unserem Herzen geblieben ist; bitten wir den Herrn um die Gnade, über unsere Gleichgültigkeit zu weinen, zu weinen über die Grausamkeit in der Welt, in uns, auch in denen, die in der Anonymität sozioökonomische Entscheidungen treffen, die den Weg bereiten zu Dramen wie diesem. „Wer hat geweint?“ Wer hat heute in der Welt geweint?
Papst Franziskus in seiner Predigt am 08.07.2013 in Lampedusa
 


Dazu möchte ich anmerken: Es darf hier kein Entweder-Oder sondern nur ein Sowohl-als-auch geben...

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Aus der Didache (Apostellehre) Kap. 4 und 5:

4. Kap.

1. Mein Kind, Tag und Nacht sollst du dessen gedenken, der dir Gottes Wort verkündet, ehren sollst du ihn wie den Herrn; denn woher seine Herrlichkeit verkündet wird, da ist der Herr. 2. Täglich sollst du das Antlitz der Heiligen suchen, damit du Ruhe findest durch ihre Worte. 3. Du sollst keinen Zwiespalt verursachen, versöhnen sollst du Streitende. "Urteile ge- [S. 9] recht"1, schau nicht auf die Person, wenn du Fehltritte zurechtweisest. 4. Zweifle nicht, ob es geschehen soll oder nicht.

5. Sei nicht wie einer, der seine Hände ausstreckt zum Nehmen, zum Geben aber sie zuhält 2. 6. Wenn du etwas in deinen Händen hast, so gib es als Sühne für deine Sünden. 7. Zweifle nicht, ob du geben sollst, und wenn du gibst, murre nicht; denn du wirst erkennen, wer der herrliche Erstatter deines Lohnes ist. 8. Wende dich nicht ab von dem Bedürftigen, teile vielmehr alles mit deinem Bruder und nenne nichts dein eigen; denn wenn ihr in die unvergänglichen Güter euch teilet, um wieviel mehr in die vergänglichen? 9. Ziehe deine Hand nicht zurück von deinem Sohn oder von deiner Tochter, unterweise sie vielmehr von Jugend auf in der Furcht des Herrn. 10. Gib deinem Knecht oder deiner Magd, die auf denselben Gott hoffen, deine Befehle nicht in Bitterkeit, damit sie nicht einmal ablegen ihre Furcht vor Gott, der über euch beiden herrscht; denn er kommt nicht, um zu (be)rufen nach Ansehen der Person, sondern zu denen, welche der Geist vorbereitet hat. 11. Ihr Knechte aber seid untertan euren Herren als dem Abbild Gottes in Achtung und Furcht.

12. Hasse jegliche Heuchelei und alles, was dem Herrn nicht gefällt. 13. Übertritt nicht "die Gebote des Herrn, bewahre, was du überkommen, tue nichts dazu und nimm nichts weg"3. 14. In der Versammlung sollst du deine Fehltritte bekennen, und du sollst nicht hintreten zum Gebete mit einem schlechten Gewissen. Dies ist der Weg des Lebens.

1: Deut. 1,16.17; Sprichw. 31,9; Joh. 7,24.
2: Vgl. 1 Klem 2,1.
3: Deut. 4,2; 12,32.


5. Kap.

1. Der Weg des Todes aber ist dieser: vor allem ist er schlecht und voll von Fluch: "Mord, Ehebruch, Leidenschaft, Unzucht, Diebstahl, Götzendienst, Zauberei, Giftmischerei, Raub, falsches Zeugnis, Heuchelei, Falschheit, Hinterlist, Stolz, Bosheit, Anmaßung, Hab- [S. 10] sucht, üble Nachrede, Mißgunst, Frechheit, Hoffart, Prahlerei, Vermessenheit"1. 2. Leute, die das Gute verfolgen, die Wahrheit hassen, die Lüge lieben, den Lohn der Gerechtigkeit nicht kennen, "dem Guten nicht nachstreben"2 und nicht dem gerechten Urteil, die ein wachsames Auge haben nicht für das Gute, sondern für das Schlechte; Leute, die weit entfernt sind von Sanftmut und Geduld, "die Eitles lieben, nach Lohn trachten"3, die kein Mitleid haben mit den Armen, sich nicht annehmen um den Bedrückten, die ihren Schöpfer nicht kennen, "ihre Kinder töten"4 das Gebilde Gottes (im Mutterleibe) umbringen, vom Bedürftigen sich abkehren, den Elenden unterdrücken, den Reichen beistehen, die Armen gegen das Gesetz richten, in allem sündigen; reißet euch los, Kinder, von allen diesen. 

1: Vgl. Matth. 15,19; Röm. 1,29-30; Gal. 5,19-21; Kol. 3,5-8.
2: Röm. 12,9.
3: Ps. 4,3; Is. 1,23.
4: Weish. 12,6.
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