Sonntag, 21. Juli 2013

Bitte eines Jugendlichen an alle in der christlichen Jugendarbeit Engagierten...

In der Rubrik "Mein junger Glaube im Alltag", verfasst von den Mitgliedern des Teams "Die jungen Federn", erschien am vergangenen Samstag in der katholischen Zeitung "Die Tagespost" (Ausgabe Nr. 87 vom 20.07.2013) folgende "große Bitte an alle in der christlichen Jugendarbeit Engagierten" des 18-jährigen Abiturienten Constantin von Jagwitz:

(...) Singt mit uns bitte keine Lieder mit inhaltsleeren Texten, die sich nur um um den Menschen drehen, keine Musik, bei der wir uns selbst feiern, denn das kann ein Festival besser als die Kirche! Unser Herz wird geöffnet, wenn wir gemeinsam Gott mit Liedern preisen, die unsere Sehnsucht nach Wahrheit, nach wahrer Liebe und Freude, nach innerem Frieden und Heilung zum Ausdruck bringen.

Erzählt uns doch nicht, dass unser Leben völlig in Ordnung sei, denn das kann die Welt besser! Betet mit uns stattdessen das Schuldbekenntnis, denn wir sehnen uns nach Vergebung. Predigt uns die Wahrheit über Gott, unser Leben, das Weltliche, die Heiligkeit und unsere Sünden!

Ersetzt nicht das Wort Gottes durch Theaterstücke oder irgendwelche Weisheitsgeschichten, denn die finden wir in jedem Kinderbuch; das Wort, das der lebendige Gott an uns richtet, finden wir aber nur in der Kirche.

Lasst die Eucharistiefeier nicht zu einem gemeinsamen Tischmahl verkommen, denn das ist in jedem Restaurant besser; einen Gott, der sich den Menschen zur Speise ausliefert, könnt dagegen nur ihr uns zeigen! Behandelt die Liturgie nicht nicht wie ein Kreativspiel, bei dem alle Ideen zusammen ein gutes Kunstwerk ergeben, denn das macht beim Vorbereiten eines Abi-Scherzes mehr Spaß, sondern gestaltet sie als Hinwendung zu Gott!

Tut nicht so, als wäre der Weg des Glaubens wie ein heiterer Spaziergang, sondern helft uns, die Anfeindungen der Welt und des Teufels mit dem Kreuz Christi zu vereinen!

Lockt uns nicht, indem ihr uns immer lobt und uns das Gefühl gebt, etwas Besonderes zu sein: Damit nährt ihr nur unseren Stolz; stattdessen betet für uns um den Geist der Demut, damit wir akzeptieren können, dass wir ein bedürftiges aber geliebtes "Nichts" sind, das sich Gott ganz hingeben darf!

Seid ehrlich zu uns, denn eine "coole", aber entstellte Kirche kann zwar vielleicht kurzfristig einige von uns Jugendlichen anziehen, wenn wir aber merken, dass die Welt viel "cooler" ist und die Kirche uns doch nur den Menschen zeigt, wenden wir uns enttäuscht ab.

Eine ehrliche Kirche dagegen werden wir zwar für ihren Wahrheitsanspruch anklagen, für stur und zurückgebliebn halten, uns sträuben, die Wahrheit von ihr anzunehmen, mit ihr ringen, wie Jakob mit Gott. Aber am Ende werden wir nur durch die Kirche sagen können: "Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen" (Gen 32,31).

Der Autor berichtet von einem Besuch einer "Jugendmesse" und von den Bemühungen der Verantwortlichen, für die Jugendlichen "eine Atmosphäre der Gottesbegegnung"schaffen zu wollen. Dabei, so Constantin von Jagwitz, habe er leider immer wieder den Eindruck, dass man die Jugendlichen in diesem Punkt falsch einschätze. Das hat ihn zu dieser "großen Bitte an alle in der christlichen Jugendarbeit Engagierten" inspiriert.



(Mit Dank an den Verfasser Constantin von Jagwitz)




Backlinks:


 
Foto: Papst Johannes Paul II. mit dem Allerheiligsten: Jesus in Brotsgestalt in der Monstranz; Kral Verlag Abensberg

Kommentare:

  1. Bravo, Herr von Jagwitz!

    Genauso ging es auch mir in meinen "jugendkirchlichen" Zeiten. Dummerweise hat sich die Erkenntnis, dass die meisten Lieder, die in den sog. JuGos gesungen werden, bestenfalls Kindergartenniveau haben, noch nicht wirklich herumgesprochen. Dabei bräuchte man nur mal bei den (alten oder neuen) Gemeinschaften zu schauen, bei denen aktuell besonders viele Jugendliche versammelt sind. Man kann nur hoffen, dass dieser Appell auch die Herzen derjenigen erreichen möge, die sich derzeit verantwortlich fühlen und leider nicht dergleichen unternehmen.

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  2. Danke, ich schließe mich Herrn Jagwitz an.
    Mir ging es in meiner Kindheit und Jugend in der protestantischen Kirche ebenso. Zum Glück bin ich auf der Suche nach der wahren Kirche in eine katholische Gemeinde geraten, in der man Gott - und damit letztlich auch den Menschen als von Ihm geschaffenes und auf Ihn bezogenes Geschöpf - ernst nahm, und im dortigen Konvertitenkurs an einen Priester, der den Rat gab, wenn man in die Verlegenheit kommt, eine gar zu "jugendfreundliche" Messe besuchen zu müssen, den Besuch derselben als besonderes Opfer zu betrachten und sich von zu großen Schrecklichkeiten durch eifriges Gebet um Besserung abzulenken.

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  3. Ja, es gibt sie, die jungen Leute mit Tiefgang. Die nicht an der Oberfläche oder an Äußerlichkeiten ohne Inhalt hängen bleiben. Die spüren, dass Liturgie nicht gemacht werden kann, sondern Mysterium ist, Begegnung mit dem lebendigen Gott.

    "Predigt uns die Wahrheit über Gott, unser Leben, das Weltliche, die Heiligkeit und unsere Sünden!"
    Das sind die wesentlichen Dinge, die zu einer tieferen Gottesbeziehung führen, zu dem Wunsch zur Vervollkommnung um Christus immer ähnlicher zu werden. Demut statt Stolz.

    Wie wahr das alles!
    Dank an C. von Jagwitz für diese mutige Veröffentlichung!


    Stefan

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  4. Der Autor ist offensichtlich bereits ein konservativer Christ, der die üblichen Meinungen der besagten Leute vertritt, welche allerdings teilweise meiner bescheidenen Meinung nach kurzsichtig sind.

    So ist zum Beispiel "denn das gibt es schon anderswo" kein Argument. Auch stimmt es nicht, daß die Welt unser Leben für völlig in Ordnung hält, sie ist viel strenger als Gott. Daß in der Welt zu viel gelobt wird, stimmt wohl in Amerika, wo diese Meinung geographisch auch wohl herkommt, in Europa stimmt es aber nicht. Der Mensch ist zwar in Beziehung zu Gott ein Nichts, was in der Bibel steht, an sich ist er aber keines.

    Nach meinem Eindruck scheint der Schreiber eine Kirche der Schimpfrede und Standpauke zu bevorzugen, die alles, was Spaß macht, zumindest aus ihr selber ausschließt, wenn nicht aber gleich für wenigstens stillschweigend irgendwie für sündhaft hält. Begründung: "Die Welt macht besser Spaß als die Kirche", und das stimmt eben nicht. Die Kirche macht mehr Spaß als die Welt.

    Umso bedauerlicher, als einige der von ihm abgelehnten Praktiken tatsächlich peinlich sind (beispielsweise die Kinder- und Weisheitsgeschichten), die ehrfürchtige "high-brow" Liturgie, die er ja einfordert, als das heute vernachlässigte erste "et" des katholischen "et et" tatsächlich schwere Unterstützung verdient und schließlich auch das Verschweigen der gesunden Lehre von ihm wenigstens indirekt angeprangert wird, welches tatsächlich ein sehr gewichtiges Problem ist.

    Meiner bescheidenen Meinung nach ist es ein Irrtum und zwar einer der Ur-Irrtümer der Moderne, daß die Wahrheit selbst etwas Schreckliches und Unschönes sei. Weswegen "rechts" andauert die "harte Wahrheit" will und "links" die Wahrheit über Bord wirft. Nun aber ist die Wahrheit schön, Gott sei gepriesen in Ewigkeit, Amen. Und dieser Gedanke von der unschönen und harten Wahrheit durchzieht den Beitrag ebenfalls.

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  5. Letztlich gelten vor allem drei Dinge:

    1. Die in der christlichen Jugendarbeit Engagierten müssen vollständig und vorbehaltslos gläubig sein.
    2. Die in der christlichen Jugendarbeit Engagierten dürfen im religiösen Bereich keine schwerwiegenden Wissenslücken haben.
    3. Die in der christlichen Jugendarbeit Engagierten dürfen nicht für Glaubensbestandteile halten, was keine sind.

    Der Rest ist Methodik und nicht unwichtig (auch insoweit, als es bisweilen kirchliche Gesetze gibt, die nun einmal eingehalten werden müssen), aber ich habe den leisen Verdacht, daß bei unserem Briefschreiber, wenn er einer Messe mit Gitarre und Schlagzeug beiwohnt, die von Leuten (zuförderst vom Priester und, wenn das ein anderer wie z.B. ein Diakon ist, vom Prediger) vorbereitet wird, auf die (1)-(3) zutrifft, die meisten seiner Argumente wegfallen.

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  6. @Imrahil
    Zum ersten Kommentar:
    "Der Autor ist offensichtlich bereits ein konservativer Christ, der die üblichen Meinungen der besagten Leute vertritt."

    Da bin ich ganz anderer Meinung: Der Autor ist offensichtlich ein ganz normaler gläubiger Katholik. Wenn Du gläubige Katholiken per se als konservativ betrachtest, na gut, dann vielleicht. Klar sind alle Katholiken bezüglich der Glaubenslehre "konservativ"... Sonst aber ist es nur einfach katholisch (bzw. sollte selbstverständlich sein), dass man weiß, dass eine Hl. Messe - auch ein JuGo - kein Festival ist, auf dem man sich selbst und den Menschen feiert, sondern dass in der Hl. Messe Gott und die Erlösungstat Jesu Christi im Mittelpunkt stehen und also der Ort ist, um Gott zusammen mit dem Priester Lob, Dank, Bitte und Sühne für unsere Sünden darzubringen.

    Es ist ganz normal, zu meinen, dass es nicht richtig sein kann, wenn die Verantwortlichen eines JuGos einem erzählen, dass wir nichts zu bereuen hätten und angeblich schuldlos durchs Leben gehen und wir angeblich keine Vergebung und keine Beichte brauchen. Die Kirche sieht das ganz anders.

    Es ist völlig normal, dass wir Gläubige darauf bestehen, dass an den vorgeschriebenen Messtexten nichts eigenmächtig weggelassen, geändert, oder ersetzt wird. Dieser Grundsatz ist der Kirche sehr wichtig, damit der Glaube authentisch überliefert wird. Das zu vertreten ist nicht konservativ, sondern einfach nur katholisch.

    Es ist auch nicht "konservativ", sondern einfach katholisch, dass man Wert darauf legt, dass die Lehre der Kirche über die Eucharistie nicht auf die Mahlgemeinschaft verkürzt wird, sondern wir teinehmen an der unblutigen Erneuerung des Kreuzesopfers, dass Jesus durch die Wandlung in den Gestalten von Brot und Wein wirklich gegenwärtig wird, dass wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken, dass wir durch die Kommunion zu einem Leib in Christus werden und dass Christus in der konsekrierten Hostie verehrt und angebetet wird.

    Es ist nicht konservativ, wenn man behauptet, dass die Hl. Messe etwas anderes sei, als eine Mahlgemeinschaft. Oder dass es nicht richtig ist, wenn Verantwortliche für einen JuGo diesen Eindruck erwecken - was offensichtlich geschehen ist.

    Und so könnte ich fortfahren. Also: NEIN, die Ansichten des Contantin von Jagwitz sind nicht konservativ, sondern ganz normal katholisch.
    Im Übrigen gilt:
    http://frischer-wind.blogspot.de/2012/02/konservativ.html

    Das Argument "denn das gibt es schon anderswo" finde ich in dem Text von CvJ nicht wieder.
    Auch sagt CvJ nicht, dass "die Welt unser Leben für völlig in Ordnung hält", sondern er spricht die Verantwortlichen der Jugendseelsorge an, die das - zumindest in diesem konkreten Fall - wohl vertreten.


    Zu Deinem zweiten Kommentar:
    Die drei Punkte sollten eine Selbstverständlichkeit sein, sind sie aber leider nicht.

    CvJ prangert hier nicht "wenigstens indirekt" das Verschweigen der gesunden Lehre an, sondern DAS ist genau der Inhalt seiner "Bitte an alle in der christlichen Jugendarbeit Engagierten"...

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  7. Ich bin selbst konservativ und rechts und gebrauche diese Wörter daher in mindestens neutraler, wenn nicht lobender Form. *Das* war keine Kritik.

    Häng dich doch nicht an dem Wort auf. Und ja... Im üblichen Sprachgebrauch ist all das, was Du "einfach katholisch" nennst, auch konservativ; der Katholik muß mithin konservativ sein. Verstehe mich nicht falsch, ich bin das auch.

    Warum habe ich es dann gesagt?

    Ich wollte ausdrücken: Der Autor gehört einer Gruppe an, die Kritik vorbringt, die man, und wohl auch er, so oder so ähnlich schon mal gehört hat. Man beachte: auch das ist kein Vorwurf. Hier ist aber der entscheidende Punkt - dabei sind Wichtiges und Notwendiges mit, ich will nicht sagen Falschem, aber ggf. Unnötigem vermischt.

    Es ist kein Geheimnis, daß das intellektuelle Zentrum der konservativen Bewegung in Amerika liegt,und daß dort wiederum protestantische, puritanische, freikirchliche usw. Einflüsse vorliegen.

    Und ich meine, daß aus dem Brief nicht gerade die katholische Lebensfreude spricht. Begründung liefere ich noch nach.

    Beim letzten Absatz: "wenigstens implizit" heißt, daß ich es jedenfalls herausgehört hatte und nicht nach einer Belegstelle suchen wollte. Mehr habe ich mit dieser Wortwahl nicht aussagen wollen.

    Er greift etwas sehr angreifenswertes an, weshalb es mir weh tut, seinen Text nicht 100% unterschreiben zu können.

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  8. @Imrahil
    Ach so. Dann habe ich Dich wohl falsch verstanden.

    Ich wäre nicht darauf gekommen, dass du hier auch von Dir sprichst:
    Der Autor ist offensichtlich bereits ein konservativer Christ, der die üblichen Meinungen der besagten Leute vertritt, welche allerdings teilweise meiner bescheidenen Meinung nach kurzsichtig sind. ;-)

    Ich kann auch Deinen Eindruck nicht teilen, der Schreiber bevorzuge "eine Kirche der Schimpfrede und Standpauke", die "alles, was Spaß macht, zumindest aus ihr selber ausschließt".

    Er schreibt doch, dass er im Gottesdienst seine Sehnsucht nach "Wahrheit, nach wahrer Liebe und Freude, nach innerem Frieden und Heilung zum Ausdruck bringen" möchte. Lauter Dinge, die fröhlich und glücklich machen, und doch keinesfalls Stimmungskiller sind.

    Ob ein Messopfer Spaß machen muss... naja, ich glaube, dass ist nicht wirklich so... Aber ich denke, Du meinst es auch eher im Sinne von Freude, oder?

    Dass der Verfasser kein Kind von Traurigkeit ist, wie Du ihm unterstellst, ist bald bewiesen. Googelst Du nach seinem Namen, wirst Du schnell fündig, dass er ein vielseitig engagierter und humorvoller Zeitgenosse ist. Das belegt z. B. ein Bericht einer Veranstaltung, bei der er als Stimmenimitator aufgetreten ist:
    "Einzigartiger Höhepunkt, kurz bevor die Feier endete, war der Auftritt von Constantin von Jagwitz, Schüler der Obersekunda. In der Rolle des Steiffert-Doubels imitierte er Stimmlage, Floskeln und Gestus so verblüffend gekonnt, dass kein Auge trocken blieb, vor lauter Lachen."

    Auch die Bilder die es im Internet von ihm gibt, zeigen einen frohen, aufgeweckten Jugendlichen. Nein, hier handelt es sich nicht um einen Miesmacher und Spaßverächter, sondern um einen jungen Menschen, der verstanden hat, um was es beim Mysterium der Heiligen Messe - und sei sie ein JuGo - tatsächlich geht: nämlich um Anbetung, Dank, Wahrheit, Gottes- statt Menschen-Wort, und auch um Ehrlichkeit.


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  9. Bitte um Entschuldigung!

    >>Ich wäre nicht darauf gekommen, dass du hier auch von Dir sprichst:
    "Der Autor ist offensichtlich bereits ein konservativer Christ, der die üblichen Meinungen der besagten Leute vertritt, welche allerdings teilweise meiner bescheidenen Meinung nach kurzsichtig sind."

    Tja... in der Tat. Sorry. Deine Reaktion ist logisch.

    Das kommt davon, wenn man - ganz ehrlich - genervt ist, im Dienste der guten Sache - die das tatsächlich ist - zum x-ten Mal das Gleiche zu hören und immer noch nicht zustimmen zu können. Daher die "üblichen Meinungen". "bereits" heißt allerdings durchaus, daß das etwas gutes ist. Es sollte auch meine latente Vermutung ausdrücken: über die Einschätzung der anderen Jugendlichen muß der Verfasser nicht notwendig recht haben.

    Was mich selbst betrifft, bin ich ein gläubiger Katholik, der die Alte Messe für objektiv besser hält (die Begründung liefere ich jetzt aber nicht!) als die neue und in beiden Fassungen, aber lieber noch in der originalen aus den 1870er Jahren, "Ein Haus voll Glorie schauet" mitsingt und zwar ziemlich laut.

    Allerdings erlaube ich mir bisweilen eine eigene Meinung, was ja im Rahmen der Schranken der Dogmen auch das gute Recht eines Katholiken ist.

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  10. [zweiter Teil]

    Das heißt, dem, was so üblicherweise gesagt wird, muß ich nicht unbedingt zustimmen. (Ich sage das übrigens nicht in Selbstlob, sondern in entschuldigendem "es ist halt einmal so"). Beim größten Apologeten des 20. Jahrhunderts, Chesterton, findet sich einmal die Wendung "torrents of tosh about Christian manhood and healthy boyhood and noble motherhood and the rest". Tja.

    Uuund... da geht es schon los:

    >>Ob ein Messopfer Spaß machen muss... naja, ich glaube, das ist nicht wirklich so... Aber ich denke, Du meinst es auch eher im Sinne von Freude, oder?

    Ob das Meßopfer Spaß machen darf (!) - müssen tut es das nicht - ist eine durchaus interessante Frage mit Argumenten auf beiden Seiten. Bei einer Sache bin ich mir aber ziemlich sicher, und das ist, daß ich - voilà - diese Spaß-Freude-Unterscheidung (alternativ auch die Unterscheidung zwischen Freude und "wahrer Freude") nicht mitmache. Spaß heißt deswegen Spaß, weil er Freude macht, oder umgekehrt: Freude heißt deswegen Freude, weil sie Spaß macht. Daß es größere und kleinere Freuden gibt, versteht sich von selbst; es gibt sogar sündige Freuden; ich bin aber dagegen, gewisse Freuden nur deswegen, weil sie a) kleiner sind, b) vom moralischen Teil der Gesellschaft verachtet werden und (als argumentatives Zugeständnis) c) zu sündhaften Exzessen führen, so quasi zu gar keine (wahren, etc.) Freuden zu erklären.

    [Etwas anderes - nur zur Erklärung meines Standpunktes ein Beispiel, wo ich ebenfalls nicht der Meinung bin - wäre diese Freiheit-von-Freiheit-für-Geschichte. Es kann ja nicht geleugnet werden, daß sehr viele Leute, die offensichtlich auf der guten Seite stehen, da regelmäßig darauf herumreiten, wir würden nun einmal nicht die Freiheit von, sondern die Freiheit für vertreten, usw. Tja. Stimmt aber nicht. Wir vertreten Pflichten und daß bestimmte Taten Sünden sind. Im übrigen vertreten wir aber die Freiheit, also die Freiheit von, denn Freiheit ist begrifflich Freiheit von.]

    Tjaaa... Nebensache... kann nun das Meßopfer Spaß machen? Die Kirchengeschichte scheint die Frage mit "ja" zu beantworten. Palestrina, Mozart, usw. haben in ihren großen Kompositionen nicht danach gestrebt, die Härte des Kreuzes darzustellen, sondern die ganze Schönheit in den Dienst der Anbetung Gottes zu stellen *und* das anläßlich der Heiligen Messe zu tun. Auch der gregorianische Choral ist nicht gerade für seine Dissonanzen berühmt.

    Mit Verweis darauf meine ich, in der Kirchengeschichte ist entschieden worden, es darf Spaß machen - ja, meiner Meinung nach gibt es keine legitime Gebetsform, die nicht auch ihren Platz bei der Heiligen Messe hat.

    Es macht nun einmal Spaß, das vorher erwähnte "Ein Haus voll Glorie schauet" oder "Großer Gott wir loben Dich" oder, ja, auch "Laudato si" zu singen.

    Peinlichkeiten haben hingegen in der Heiligen Messe keinen Platz. Aber - die *machen* ja auch keinen Spaß.

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  11. Tja... nun was habe ich eigentlich kritisiert? Es freut mich sehr, daß der Verfasser persönlich kein Kind von Traurigkeit ist, allerdings ging es mir nicht um was auch immer er sonst so denkt, sondern was der Sache nach in seinen Argumenten drinsteckt. Dabei kann ich natürlich bei der Analyse Recht oder Unrecht haben.

    >>Singt mit uns bitte keine Lieder mit inhaltsleeren Texten, die sich nur um den Menschen drehen, keine Musik, bei der wir uns selbst feiern, denn das kann ein Festival besser als die Kirche!

    Zunächst einmal ist das hier ein Beispiel für das Argument "gibt es schon anderswo". Und dann stimmt das meines Erachtens nicht. Wo sich die Menschen wirklich selbst feiern wollen (und nein, das ist nicht an sich schon sündhaft), pflegen sie zumindest hierzulande noch, aus Anlaß dessen einen Dankgottesdienst zu feiern - und es klappt besser als ohne. "Puritans have given a great deal too much credit to the power which the world has to satisfy the soul; in admitting that the sinner is gay and careless they have given away the strongest part of their case." (GKC, The Common Man)

    Tja... nun sind etliche Lieder mit dem Glauben schlecht zu vereinen. Das bestreite ich nicht; bloß hätte ich dann lieber das klar gesagt als ein vages "dreht sich nur um den Menschen".

    >>Erzählt uns doch nicht, dass unser Leben völlig in Ordnung sei, denn das kann die Welt besser!
    Nein, kann sie eben nicht. Die Welt (im hier gemeinten Sinn) ist nun einmal sehr ungemütlich, viel ungemütlicher als Gott. Bei Gott gibt es im großen und ganzen die zehn Gebote (wenn wir das sechste in der katechetischen Fassung zitieren), die Welt hält dich ja schon für einen Verworfenen, wenn du mal eine Zigarette rauchst.

    >>Betet mit uns stattdessen das Schuldbekenntnis, denn wir sehnen uns nach Vergebung. Predigt uns die Wahrheit über Gott, unser Leben, das Weltliche, die Heiligkeit und unsere Sünden!

    Im Gesamtzusammenhang klang das (wie ich geschrieben habe) nach "Schimpfrede und Standpauke" bzw. dem Versuch, diejenigen, die zur Predigt kommen, durch Demütigung zur Demut zu bewegen. Tja... eine gute Gewissenserforschung lehrt nämlich auch immer, was jetzt keine Sünde war. Wenn die Leute aus der Predigt herausgehen und sich entweder in ein "das kann man doch eh nicht ernstnehmen" flüchten oder aber am Boden zerstört sind und sich für einen hoffnungslosen Fall halten, frage ich mich, ob da so viel gewonnen ist.

    Wenn die Sünde klar als wirkliches Vergehen herausgearbeitet wird (also vielleicht auch mal aufgezeigt wird, warum Gott das verboten hat und auch mal zur Abgrenzung gesagt wird, was keine Sünde ist) und zugleich der Weg zur Vergebung aufgezeigt wird, ist viel gewonnen.

    >>Behandelt die Liturgie nicht nicht wie ein Kreativspiel, bei dem alle Ideen zusammen ein gutes Kunstwerk ergeben, denn das macht beim Vorbereiten eines Abi-Scherzes mehr Spaß, sondern gestaltet sie als Hinwendung zu Gott!

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  12. [Vierter Teil.]
    Der Grund, warum die Liturgie als Hinwendung zu Gott zu gestalten ist, ist daß sie eine solche sein soll, nicht weil es Kreativspiele schon anderswo gibt; und a priori könnte übrigens auch ein Kreativspiel sehr gut eine Hinwendung zu Gott sein. Der Grund, warum die Liturgie nicht als Kreativspiel zu gestalten ist, ist "weil das so befohlen worden ist." (Als ehemaliger Soldat meine ich das wiederum nicht kritisch, sondern mit Zustimmung und Unterwerfung! - Das weitere "der Gesetzgeber wird sich schon etwas dabei gedacht haben" kommt natürlich hinzu.

    >>Tut nicht so, als wäre der Weg des Glaubens wie ein heiterer Spaziergang, sondern helft uns, die Anfeindungen der Welt und des Teufels mit dem Kreuz Christi zu vereinen!

    Mhm, tut aber auch nicht so, als hätte es der Christ andauernd wunder wie schwer. Der ist manchmal ein heiterer Spaziergang. Heiter oder nicht - es kommt darauf an, daß der Glaube geglaubt wird und möglichst nicht gesündigt wird. Wenn einer ein Klagegebet sprechen will, warum sein Glaubensweg gerade so schwer ist - das ist legitim. Aber man kann Missmutigkeit auch heraufbeschwören.

    >>Lockt uns nicht, indem ihr uns immer lobt und uns das Gefühl gebt, etwas Besonderes zu sein: Damit nährt ihr nur unseren Stolz; stattdessen betet für uns um den Geist der Demut, damit wir akzeptieren können, dass wir ein bedürftiges aber geliebtes "Nichts" sind, das sich Gott ganz hingeben darf!

    Dementgegen halte ich es für besonders effektiv, eine Verhaltensweise zu loben, die jemand bereits hat, und dann sagen, daß er dann aus dem und dem Grund das und das andere tun sollte. Außerdem rein pragmatisch gesehen: Sowohl: "ich bin ein Nichts", nämlich vor Gott, und "ich bin kein Nichts", nämlich dank Gottes Schöpfung vor der Welt, und dank Gottes Annahme auch vor Ihm selbst, ist beides richtig. Eine der wichtigsten Gründe, warum die Religion heute attraktiv ist, ist aber, daß die Welt (!) uns für Nichtse, austauschbar usw. hält (und zumindest vor der Welt sind wir es *nicht*), während Gott da "gastfreundlicher" ist.

    >>Seid ehrlich zu uns, denn eine "coole", aber entstellte Kirche kann zwar vielleicht kurzfristig einige von uns Jugendlichen anziehen, wenn wir aber merken, dass die Welt viel "cooler" ist und die Kirche uns doch nur den Menschen zeigt, wenden wir uns enttäuscht ab.

    Nein, die Welt ist nicht cool. Die Welt ist dermaßen uncool.

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  13. Lieber Imrahil,

    vielen Dank für Deine ausführlichen Kommentare.
    Ich muss aber gestehen, dass ich Deine Kritik größtenteils für überzogen halte (aber da sind wir wahrscheinlich einfach unterschiedlicher Meinung). Ich sehe es so: Es ist doch zunächst einmal erfreulich, dass hier ein junger Mensch ist, dem das ganze oberflächliche, unüberzeugte und zum Teil unehrliche Gehabe einer aufgesetzten Jugendpastoral und die Entsakralisierung des Gottesdienstes auf den Keks geht. Und der das öffentlich zur Kenntnis bringt. Das finde ich nicht spaßig, aber erfreulich. Punkt.

    Nebenbei: Ich sehe schon einen Unterschied zwischen "Freude" und "Spaß". "Spaß" hat eher zu tun mit Gaudi, Jux und Scherz, also eine gewisse Nicht-Ernsthaftigkeit. Das Gegenteil zu Spaß sei Ernst (sagt google). Diese Attribute wären als Beschreibung in Bezug auf die Hl. Messe aber unangemessen, wie ich finde.

    "Freude" dagegen hat sehr wohl mit Ernsthaftigkeit zu tun. Sie ist - ich sag mal - zurückhaltender und sinngerichteter als der ausgelassene "Spaß". Würde man z. B. die "freudenreichen" Geheimnisse des Rosenkranzes auch "spaßreiche" Geheimnisse nennen wollen? Naja, egal.

    Hier hast Du allerdings recht: Das Lied "Ein Haus voll Glorie schauet" oder "Großer Gott wir loben Dich" oder, ja, auch "Laudato si" zu singen, das macht u.U. nicht nur Freude sondern Spaß! :-)

    Ja, und zur Frage mit der Freiheit (in der Tat ein interessantes Thema): das ist nun mal Ansichtssache:
    http://frischer-wind.blogspot.de/2012/08/freiheit-ansichtssache.html ;-)
    http://frischer-wind.blogspot.de/2011/12/freiheit-der-kinder-gottes.html
    und ganz in Deinem Sinne:
    http://frischer-wind.blogspot.de/2012/03/freiheit-und-willkur.html

    Liebe Grüße und einen gesegneten Sonntag!

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