Freitag, 14. Juni 2013

Die Wiederentdeckung der Fülle des eucharistischen Mysteriums

Ein Gastbeitrag von Pfr. i. R. Werner Wolff, Bad Waldsee

Vom 5. Bis zum 9. Juni fand in Köln ein Eucharistischer Kongress statt. Er wollte dazu hinführen, dass wir dankbar die Fülle des eucharistischen Mysteriums wieder entdecken. Der Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, hat kürzlich in ähnlichem Zusammenhang gesagt
„Wir müssen Abschied nehmen von einer gewissen Selbstsäkularisation. Wir können der Entsakralisierung ein Ende machen. Das heißt: Wir müssen aus unseren Kirchen wieder Gotteshäuser machen, wo zu allererst die Liturgie das Mysterium des Glaubens feiert.
Zum Beispiel: Wir haben das eucharistische Fasten abgeschafft, wir haben (in vielen Kirchen) die Kommunionbänke abgeschafft, wir knien nicht mehr nieder – und haben nichts dagegen getan, dass damit auch Ehrfurchtslosigkeit und Banalisierung um sich griffen. Das konnte nicht gut gehen!“

Und der Kardinal hat Recht! Müssen wir nicht einen Niedergang eucharistischen Glaubens und eucharistischer Frömmigkeit wahrnehmen? Viele Katholiken wissen nicht mehr, was das Allerheiligste Altarssakrament ist.

Das beginnt damit, dass Viele beim Betreten einer Kirche keine Kniebeuge machen. Dass sich Gläubige zunächst einmal gegenseitig begrüßen und neueste Nachrichten austauschen Warum sollte man auch nicht, wenn man nicht weiß, dass Gott im Tabernakel gegenwärtig ist?

Der eucharistische Analphabetismus setzt sich fort in Predigt und Katechese. Man spricht nur von „Eucharistie“ und erklärt, das heiße „Danksagung“. Stimmt – aber das ist zu kurz gegriffen. Jesus Christus ist im Allerheiligsten Altarssakrament mit Gottheit und Menschheit, Leib und Seele, Fleisch und Blut gegenwärtig unter den äußeren Gestalten von Brot und Wein. Vor einem „Brot der Danksagung“ muss ich mich nicht niederknien – vor Gott wohl.

Es ist in den letzten 50 Jahren eine Generation herangewachsen, die nur noch vom „heiligen Brot“ hörte und vom „Mahl mit Jesus“. Auch das ist nicht falsch, spricht doch schon der römische Messkanon vom „heiligen Brot des ewigen Lebens“ (vgl. Joh 6, 51) und ist die Teilhabe an der Eucharistie doch schon Vorwegnahme des himmlischen Hochzeits“mahles“. Aber „heiliges Brot“ sagt nicht das Ganze. Es ist nur ein Aspekt. „Mahl“ ist nur die äußere Form, nicht das Wesen.

Der Inhalt der heiligen Messe müsste jeden Christgläubigen zutiefst erschaudern lassen: Sie ist nichts anderes als die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi auf Golgotha. Messe und Kreuzesopfer sind identisch: nur die Art der Darbringung ist unterschiedlich. Der Gottmensch stirbt am Kreuz und erlöst mit seinem im Gehorsam gegenüber dem himmlischen Vater dargebrachten Opfer die Gläubigen von Sünde, Tod und Teufel.

Und was geschieht bei uns in Deutschland an Fasching bzw. Fasnet, wenn dieses Opfer Christi unter uns gegenwärtig wird? Wir stellen uns in Kostümen als Clown mit roter Nase, Prinzessin oder Narr um den Altar herum, auf dem das Sterben des göttlichen Erlösers gegenwärtig wird, und wir singen Karnevalslieder. Wo dieser Gräuel an heiliger Stätte geschieht, ist Deutschland geistig umnachtet.

Der Eucharistische Kongress in Köln ist der Aufruf zur Wiederentdeckung des Eucharistischen Mysteriums und bietet das Heilmittel gegen die eucharistische Ignoranz, die das katholische Leben im innersten Bereich infiziert und gelähmt hat. Wenn die Eucharistie tatsächlich „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG 11) ist, wie das Zweite Vatikanische Konzil sagt, dann bedeutet die geistliche Verwirrung, die nach dem Konzil um sich gegriffen hat, nichts anderes, als dass das christliche Leben der Gläubigen im Begriff ist, ins Koma zu verfallen. Es zeigt sich heute sehr oft, dass "fortschrittlich Glaubende" das Konzil sehr oft im Munde führen, seine Aussagen aber kaum einmal wirklich studiert haben.

Eine Verkürzung der Eucharistielehre besteht darin, dass man nur noch vom „Sakrament“ der Eucharistie spricht. Doch die Messe ist nicht nur eine Sakramentenspendung, bei der der göttliche Erlöser von den Gläubigen empfangen wird. Dies würde einem lutherischen Abendmahlsverständnis nahe kommen. Die Feier der Eucharistie ist die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi. Die Wandlungsworte, die der Priester über Brot und Wein spricht, setzen nicht nur Jesus Christus gegenwärtig, durch die Trennung von Leib und Blut Christi erfolgt vielmehr das Gedächtnis des Todes Christi auf sakramentale Weise; denn im Tod flossen aus der Seitenwunde des göttlichen Erlösers Blut und Wasser – Leib und Blut wurden getrennt.

Vielerorts verbreitete Mißstände bei der Feier der hl. Messe verbieten sich damit von selber. Nicht wir machen die Messe, vielmehr ist die Messe ein objektives Geschehen, dem wir uns nur in ehrfürchtigem Staunen nahen dürfen. Nicht wir geben der Messe ein Thema, vielmehr werden wir bei der Messe hineingenommen in das Opfer Jesu Christi am Kreuz und damit berufen, unser eigenes Tun und Leiden mit dem Opfer Christi zu vereinigen und so mitzuwirken an der Erlösung. 

Versteht man die hl. Messe nur als wöchentliche Gemeindeversammlung, bei der man ein Stück Brot empfängt, das Mahlgemeinschaft symbolisiert und Solidarität zum Ausdruck bringt, dann ist es unserem Belieben anheimgestellt, ob wir teilnehmen oder nicht. Dann bedürfte es auch nicht des Kirchengebots: An Sonn- und Feiertagen nimm regelmäßig an der Eucharistiefeier teil! (GL 67,2)
 
Erst wenn wir verstanden haben, dass die Heilige Messe die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi ist, haben wir auch den richtigen Zugang zum Empfang dieses Sakraments; denn die heilige Speise, die wir in der Kommunion empfangen ist nicht irgendein Mahl, sondern Gott selbst, der sich uns zur Speise gibt.

Hieraus ergibt sich die Frage nach der Inneren Vorbereitung auf den Empfang der Kommunion. Machen wir uns noch darüber Gedanken, was das ist, was wir empfangen haben? Paulus sagt im ersten Korintherbrief 11, 27 – 29: „Wer unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.“ Es ist wichtig, dass diese Worte des Apostels Paulus uns Gläubigen beim Empfang präsent sind, denn sie erinnern uns daran, dass das Sakrament der Eucharistie nur dann zum Segen wird, wenn die Seele frei ist von schwerer Schuld. Sonst wird die Eucharistie nicht zum Segen, sondern zum Gericht.

Ob es nicht symptomatisch für unser heutiges Verständnis und unser Verhalten gegenüber der Eucharistie ist, dass die zitierten Verse aus dem Korintherbrief des Paulus heute bei der Lesung z.B. am Fronleichnamsfest, ausgelassen werden? Ein Prediger, der darauf hinweist, wird gern in die Fundamentalistenecke gestellt, da er ja angeblich eine Drohbotschaft verkündet.

Der Empfang der heiligen Kommunion vereinigt uns auf sakramentale Weise mit Gott – diese Vereinigung ist von solcher spiritueller Fülle, dass sie nur noch durch die ewige Gemeinschaft mit Gott im Himmel übertroffen werden kann und hier auf Erden einer Vertiefung durch Verinnerlichung und eucharistische Anbetung bedarf. Frühere Generationen wussten und schätzten dies, sie gingen nicht nur untertags zum kurzen Gebet in eine Kirche, an der sie vorbei kamen, sondern sie besuchten den unter der Gestalt des Brotes gegenwärtigen Herrn auch für eine längere Zeit, um ihn anzubeten
 
Nicht zuletzt die Weltjugendtage und in deren Folge das von Jugendlichen getragene „Nightfever“ haben vielerorts zu einer spürbaren Wiederbelebung der eucharistischen Anbetung geführt. Erst der, der die Eucharistie anbetet, wird wirklich eucharistiefähig.

Es wird Zeit, dass das katholische Deutschland wieder anfängt, wahrhaft eucharistisch zu werden. Der Eucharistische Kongress in Köln sollte der Startschuss für eine Wiederentdeckung der Fülle des eucharistischen Mysteriums werden. Amen.



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Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel!

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  2. Wenn es doch nur mehr solch guter Priester gäbe, die den Glauben mit so klaren Worten verkündigen und erklären!
    Überall in Interviews und sogar von Theologen hörte man in den letzten Wochen aufgrund des Eucharistischen Kongresses die Frage, wie man denn heute noch die Eucharistie (gemeint ist wohl die Wandlung bzw. die Gegenwart Christi unter den konsekrierten Gestalten von Brot und Wein) den Menschen (v.a. Jugendlichen) erklären könne...

    Man fragt sich, ob das denn wirklich so schwer ist? Die Menschen sind doch nicht dümmer als zu früheren Zeiten. Dass es letztendlich ein Mysterium ist, dass wir nicht ganz verstehen können, ist auch klar. Früher wie heute. Aber erklären kann man es doch trotzdem. Das zeigt (z.B.) obenstehender Gastbeitrag.

    Eine andere Sache ist freilich, ob dieses Mysterium im Glauben angenommen wird, d.h. ich kann es nur mit den Augen des Glaubens schauen. Aber was hindert mich, einen Priester, einen Bischof, eine Mutter oder sonstwen daran, diesen Glauben in den Worten, die die Kirche dafür gefunden und für gut geheißen hat, weiterzugeben? ganz ehrlich: Nichts und niemand.

    Es gibt auch heute nicht wirklich ein Problem, den Glauben an die Realpraesenz bzw. die Wandlung mit den Worten der Kirche (die in einem guten Katechismus zu finden sind) zu erklären. Alles andere ist Feigheit, Menschenfurcht oder begründet im eigenen Unglauben.

    Danke für diesen guten Beitrag!

    Stefan

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