Donnerstag, 18. April 2013

II. Vatikanum: Blaue Shirts oder Wischi-Waschi?

Im Streit um die Deutungshoheit des II. Vatikanischen Konzils hat Papst em. Benedikt XVI. unmissverständlich festgestellt, dass auch dieses bisher letzte Konzil ausschließlich im Sinne der kirchlichen Tradition zu lesen ist. Einer "Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruches", egal von welcher Seite, erteilte er eine deutliche Absage und verlangte eine "Hermeneutik der Kontinuität und der Reform".
 
Das bedeutet, dass das II. Vatikanum keine Aussagen getroffen hat, die der Lehrtradition der Kirche widersprechen und alle Aussagen, selbst dann, wenn sie Raum für eine andere Interpretation lassen würden, im Sinne der Tradition auszulegen und zu verstehen sind. 

Ein in manchen Kreisen nicht unbekannter Bischof meinte nun, diese „Hermeneutik der Kontinuität“ folgendermaßen beschreiben zu können:
"[... K]eine konziliare Neuerung [darf] auf eine Weise „gedeutet“ werden (...), die im Bruch zur Tradition steht. Das ist vergleichbar mit der folgenden Behauptung: Alle Fußballmannschaften müssen blaue Hemden tragen, und all die andersfarbigen Fußballhemden müssen eben derart gedeutet werden, daß sie einfach blau darstellen."
Und er meint feststellen zu müssen: "Was für ein Unsinn!"
In der Tat wäre es Unsinn, wollte man andersfarbige Fußballhemden einfach als blau deklarieren. Hier aber verhält es sich folgendermaßen: Tatsächlich wurden bedauerlicherweise einige Hemden von unerfahrenen oder unvorsichtigen Spielermüttern zusammen mit andersfarbigen Kleidungsstücken gewaschen und hatten nun oberflächlich diese anderen Farben angenommen während andere Spieler sich über die blauen Hemden bunte gestreift hatten, so dass die blauen Hemden auf den ersten Blick nicht zu sehen waren.

Wenn nun dies zu einer Verwirrung führt, ist das verständlich. Was ist zu tun? Zunächst kann man den Sachverhalt aufklären, so dass deutlich wird, dass trotz des oberflächlichen bunten Farbengemischs auf dem Spielfeld sichergestellt ist, dass alle Spieler dennoch den Vorgaben des Gesetzgebers  ("alle Fußballmannschaften müssen blaue Hemden tragen") entsprechen. Sodann wird man, um die sichtbare Ordnung wieder herzustellen, die verwaschenen Hemden nochmals mit einem Entfärber waschen und die Spieler mit den übergezogenen andersfarbigen Shirts werden diese ablegen, damit das blaue Hemd wieder zum Vorschein kommt.

Wir sehen, dass die Unterstellung des oben zitierten Bischofs, einige der Spieler hätten keine blauen Hemden an - bzw. es gäbe tatsächlich "konziliare, mit der Tradition der Kirche brechende, Neuerungen" in den Dokumenten des II. Vatkanums - nicht gerechtfertigt ist, denn in Wirklichkeit trugen alle Fußballmannschaften blaue Shirts, d. h. alle Texte stehen in Kontinuität mit der kirchlichen Überlieferung. Dass die Wiedersichtbarmachung der blauen Hemden bzw. die Revision der fraglichen Konzilstexte einen gewissen Aufwand und eine spezielle fachmännische Behandlung benötigen, muss nicht eigens erwähnt werden. Nur frisch ans Werk (Forza!) - damit das Spiel bald ordnungsgemäß weitergehen kann!


Weiteres zum Thema:
Eine beachtenswerte Erinnerung an die schicksalsträchtige Stunde die die Kirche heute durchlebt und den Scheideweg, an dem sie steht: hier bei clamormeus!

Ansprache Papst Benedikt XVI. im Jahre 2005 zum Weihnachtsempfang des Kardinalskollegiums und der Mitglieder der Römischen Kurie in welcher Benedikt XVI. die gebotene Weise der Rezeption des letzten Konzils erläutert


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