Samstag, 20. April 2013

Der Teufel und das Weihwasser

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Sprichwörtliche Redensarten haben oft mehr Tiefgang, als es auf den ersten Blick scheinen mag. So läppisch sie zunächst daherkommen, so reich sind sie für den, der genauer hinhört, an menschlicher, ja an christlicher Weisheit.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Formulierung, jemand fliehe etwas „wie der Teufel das Weihwasser“. Hier wird man an volkstümlich-fromme Geschichten erinnert, in denen der Leibhaftige sich an sein Opfer heranmacht, dann aber das Weite suchen muss, da man geweihtes Wasser nach ihm spritzt. Die Vorstellung eines gehörnten Wesens mit Pferdefuß und Schwefelgestank, das vor dem feuchten Element die Flucht ergreift, amüsiert eher, als dass sie zu ernsthaften Gedanken über die kirchlichen Sakramentalien anregen würde. Näher besehen aber ist die Angelegenheit alles andere als lächerlich.

Wasser hat ja in der Heilsgeschichte eine besondere Bedeutung. Schon am Anfang schwebte der Geist Gottes über den Wassern (Gen 1,2). Im Paradies flossen Ströme kreuzförmig in alle vier Himmelsrichtungen (Gen 2,10). Mit Wasser hat Gott später, als die Sünde überhand nahm, die Erde gereinigt (Gen 7), und durch das Wasser des Roten Meeres hindurch sein Volk befreit, während er die Verfolger unter den zusammenstürzenden Fluten begrub (Ex 13-14). Das sind sprechende Bilder für die Taufe, in der die Sünde vertilgt und der Mensch aus der Hand des Feindes errettet wird, um nun dem Gelobten Land entgegenzugehen!

Auf der Wüstenwanderung schlug Moses für das dürstende Volk Wasser aus dem Felsen (Ex 17) und deutete damit bereits auf das Geheimnis der Erlösung hin: „Der Felsen aber war Christus“, schreibt Paulus (1 Kor 10,4). Wer denkt da nicht an Wasser und Blut aus dem durchbohrten Herzen des Gekreuzigten (Joh 19,34)? Auch das Rinnsal, das der Prophet Ezechiel im Tempel aus der rechten Seite des Altares entspringen und vom Heiligtum in die Welt hinausfließen sah, Gesundung und Lebenskraft bringend (Ez 47), verweist auf die fruchtbare Quelle des Erlöserherzens, das sich auf dem Altar des Kreuzes verströmte und seither auf unseren Altären immer wieder verströmt.

Im Neuen Testament kommt Wasser nicht nur im Zusammenhag mit der Taufe Jesu vor. Wir erfahren auch von der Verwandlung des Wassers in Wein bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2), die ein Sinnbild für das gesamte Erlösungswerk ist, und von der Begegnung des Herrn mit der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen. Ihr verheißt er eine Quelle lebendigen Wassers, die hinübersprudelt in das ewige Leben (Joh 4,14). Ganz ähnlich beim Laubhüttenfest zu Jerusalem: „Wer dürstet, komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, aus dessen Inneren werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.“ (Joh 7,37f.) Im letzten Kapitel des Neuen Testamentes ist nochmals von dem „Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall“ (Apk 22,1) die Rede, und wir werden aufgefordert, „lebendiges Wasser umsonst“ zu empfangen (22,17). So ist das Thema „Wasser“ tatsächlich von den ersten bis zu den letzten Zeilen der Schrift gegenwärtig.

Diese Zusammenhänge kennt der Widersacher nur zu gut. Und deshalb ist er „wasserscheu“, schweift er doch gerne durch öde, wasserlose Gegenden (Mt 12,43). Ja, er hat bereits eine tiefe Abneigung gegen das natürliche, klare und reine Wasser, das der heilige Franziskus von Assisi in seinem Sonnengesang als „Schwester Wasser“ anredet, „so nützlich und demütig, so köstlich und keusch“. Die Abneigung steigert sich aber zu Hass und Furcht, wenn dieses Element auch noch einen besonderen Segen empfängt. Dann ist es nicht mehr bloß ein sinniges Symbol für die Taufe und Gnade, sondern trägt etwas von der reinigenden und heiligenden Kraft des Erlösungswerkes in sich. Vereint mit dem Blut Jesu und dem Heiligen Geist ist das Wasser bestimmt, das göttliche Leben fortzuzeugen: „Drei sind es, die Zeugnis geben: der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei sind eins.“ (1 Joh 5,7f.)

Die Exorzismen über das Wasser und das ihm beigegebene Salz in der alten Form der Wasserweihe unterstreichen zudem die Tatsache, dass durch dieses sakramentale Zeichen „jede Feindseligkeit des unreinen Geistes gebannt, der Schrecken der giftigen Schlange verjagt und der hilfreiche Beistand des Heiligen Geistes“ herbeigerufen werden soll (Rituale Romanum VII,2). Unzählige Male hat sich das im Leben heiliger und weniger heiliger Christen bestätigt.

Mögen also glaubens- und kirchenferne Zeitgenossen (und leider auch manche „aufgeklärten“ Katholiken) skeptisch die Stirne runzeln, es bleibt doch wahr, was der Volksmund sagt: Der Teufel flieht das Weihwasser! 


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)  


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