Mittwoch, 6. Februar 2013

Markus Lanz und der Relativismus

Am 05.02.2013 war der Publizist Martin Lohmann zu Gast in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" um über seine Erfahrungen und die Reaktionen zu berichten, die er während bzw. nach anderen Fernsehauftritten einstecken musste, weil er dort offen und deutlich die Positionen der katholischen Kirche vertreten hatte. So wurde z.B. während seiner Erklärung, wie es sich mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frau verhalte, wenn sie möglicherweise schwanger ist, vom Publikum laut verächtlich gelacht bevor er seine Ausführungen überhaupt vorgebracht hatte. Andere Male wurde geraunt oder laut protestiert und er bekam nach den Sendungen Hass-Mails und Drohungen bis hin zu der Ankündigung, dass ein an Aids Erkrankter ihn durch einen Nadelstich infizieren wolle.

Von Lanz gefragt, welche Reaktionen er denn auf den letzten (zwei Tage zurückliegenden) Auftritt in der Polit-Rederunde bei Günther Jauch erhalten habe, antwortete der Publizist, dass er auch sehr viel positive Kritik, Zustimmung und Dank zugesprochen bekommen habe.

In der Diskussion mit Martin Lohmann wünschte sich Markus Lanz dann von der Kirche klare Ansagen. Der Wunsch erstaunt nach der klaren, sehr eindeutig formulierten Erklärung des Kölner Kardinals vom 31.01.2013. Zusammen mit diesem Wunsch machte Lanz auch sein Verständnis von der von Papst Benedikt oft angeprangerten "Diktatur des Relativismus" deutlich. Er sagte:
Wir reden jetzt immer noch über den Fall dieser Vergewaltigung und es steht immer im Raum dieser berühmtgewordene Satz des Papstes: "Die Diktatur des Relativismus", alles ist relativ.
Ich würde mir wünschen, auch als Katholik, wenn genau dieser Relativismus zum Beispiel im Fall des Kölner Kardinals nicht zum Einsatz käme, wenn man also einfach mal als Kirche klipp und klar sagen würde: in einem solchen Fall steht selbstverständlich nichts dem im Wege, dass eine junge Frau, die Opfer einer Vergewaltigung geworden ist, die "Pille danach" nimmt - ohne wenn und aber. Und ohne Relativitätssatz "nämlich für den Fall, dass...'ja', und sonst eher 'nein'". Das ist auch "Diktatur des Relativismus".

Lanz verwechselte hier offensichtlich "relativieren", (in dem Zusammenhang: alles gleich gültig machen) mit "präzesieren" oder "konkretisieren" und verkannte, dass manche Fragen eben nicht so einschichtig und oberflächlich zu entscheiden sind, sondern dass es, um guten Gewissens eine angemessene Entscheidung treffen zu können, einer Aufklärung und Information bedarf. Und das gerade in Fällen, wo es, wie Martin Lohmann mehrmals in Erinnerung rief, um Leben und Tod eines Menschen geht.

Offensichtlich war Lanz auch der Meinung, man müsse der Frau "helfen", sich für die Einnahme (auch einer möglicherweise frühabtreibenden) "Pille danach" zu entscheiden, die für ihn die einzig richtige Entscheidung zu sein scheint. Damit sprach er aber der betroffenen Frau die Fähigkeit ab, eine wirklich eigene Entscheidung treffen zu können.

Nochmals: Für Lanz besteht "Hilfe" für die Frau nicht in der Aufklärung über Möglichkeiten und Folgen nach der Vergewaltigung und im Hinblick auf eine mögliche Schwangerschaft, sondern in der Bestätigung des von ihm vorgefassten alternativlosen Entscheides für eine Einnahme der "Pille danach" und damit der möglichen Tötung einer Person. Damit negiert er die Freiheit der Frau und nimmt ihr die Möglichkeit, ihrem Gewissen gemäß eine unabhängige Entscheidung - möglicherweise auch zugunsten eines in Gewalt gezeugten Kindes - zu treffen.

Dieselbe bevormundende Position vertraten auch gleich am Anfang der Sendung unter langanhaltendem Applaus des Publikums zwei weitere Gäste der Diskussionssendung: der Kabarettist Jochen Busse und die Moderatorin Susann Atwell.

Er (Jochen Busse) sei "nicht dafür, dass man Menschen dahin bringt, dass sie derartige Entscheidungen treffen müssen." Das Trauma der Vergewaltigung und das Austragen eines so gezeugten, ungewollten Kindes, das seien "zwei Dinge, da wird der Mensch nicht mit fertig". "Hilfe" besteht auch für ihn alternativlos in der Aushändigung der "Pille danach".

Sie ( Susann Atwell) findet es "großartig, dass wir soweit sind", dass jede Frau selbst entscheiden könne ob sie ein Kind möchte oder nicht - ob vergewaltigt oder nicht. Und im Fall einer Vergewaltigung: sie stimme Jochen Busse zu: "Ich finde, da gibt's auch keine zwei Meinungen." Wie aber soll man sich dann entscheiden wenn es ohnehin nur die eine Meinung gibt?

Die "Pille danach" - und fertig. Egal ob sie will oder nicht...




Aktion 1000plus

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