Samstag, 27. Oktober 2012

Die eine und einzige Kirche (II)

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad 

Brautschaft

Die „Männerkirche“...! Gerne macht man es der katholischen Kirche zum Vorwurf, sie sei männlich dominiert und unterdrücke den größeren, den weiblichen Teil ihrer Mitglieder. Jedoch ist der Ausdruck „Männerkirche“ nicht nur lieblos, er ist auch falsch. Zwar stimmt es, dass die amtliche Repräsentation Jesu Christi – des Gottessohnes, der als Mensch und Mann gekommen ist – von Männern ausgeübt wird. Die Kirche selbst aber ist weiblich. Hier legt die Sprache die richtige Spur: Die griechischen Bezeichnungen ekklesía (die von Gott aus der Welt herausgerufene Gemeinde; daher lat. ecclesia, ital. Chiesa, span. iglesia...) und kyriaké (die dem Kyrios, dem Herrn Angehörende; daher engl. church, niederl. Kerk, dt. Kirche) sind feminine Worte. Und sie sind es nicht zufällig.

Der tiefere Grund dafür liegt in der Tatsache, daß die Kirche wesenhaft die Braut Jesu Christi ist. Er selbst bezeichnet sich als Bräutigam (Mk 2,19 f.), und Sein Vorläufer, Johannes der Täufer, sieht sich als „Freund des Bräutigams“ und Brautführer, der sich freut, das Volk zu Ihm zu geleiten (Joh 3,29 f.). Vor allem Paulus vertieft diese Sichtweise der Kirche: Er eifert mit der Eifersucht Gottes um die Gemeinden, um sie als reine Jungfrau Christus zu übereignen (2 Kor 11,2). Er ist es auch, der die eheliche Verbindung von Mann und Frau als ein sakramentales Abbild der Verbindung Jesu mit Seiner Braut, der Kirche, beschreibt: Die Eheleute werden ein Fleisch, sowie auch die bräutliche Kirche mit ihrem Herrn ein Fleisch wird (vgl. Eph 5,21-33). Die Kirche – Braut und Leib des Herrn!

Was aber folgt daraus für unser Thema, die Einzigkeit der Kirche? Jemand hat es einmal auf die reichlich provokante Formel gebracht: „Unser Herr ist gekommen, sich eine Braut zu nehmen, nicht sich einen Harem zu erwerben.“ So unpassend diese Worte angesichts der Geheimnisse unseres Glaubens auch sein mögen, sie erhellen doch auf ihre Weise den Sachverhalt, dass das Urbild der christlichen Ehe keine andere als eine monogame Verbindung sein kann, dass es also neben der einen Kirche Jesu Christi keine anderen Kirchen gibt, die beanspruchen können, Seine Braut zu sein.

Zum Verständnis hilft uns ein Blick in die Heilsgeschichte. Gott hatte sich zunächst ein Volk aus allen anderen zum Eigentum erwählt und mit ihm einen exklusiven Bund geschlossen. Dieser aber war im Lauf der Zeit immer wieder gebrochen worden. Durch den Mund der Propheten rügte Gott solche Treulosigkeit als „Hurerei“ (vgl. Jer 2,20 ff.; Hos 2,4 ff. u.a.) und stellte schon lange vor der Ankunft Seines Sohnes einen neuen und ewigen Bund in Aussicht (Jes 55,3). In diesem werde Er selbst sich als Gemahl Seines Volkes annehmen und Sion, zu dem nun alle Völker strömen würden (Jes 2,2), neu erbauen (Jes 54,4 ff.).

Das ist durch das Erlösungswerk Jesu Christi Wirklichkeit geworden. Sein neues Volk unterliegt nun nicht mehr den Beschränkungen durch Fleisch und Blut, sondern umfasst Menschen von allen Enden der Erde. Aber dieses Volk ist dennoch eine klar bestimmte Größe, da es aus genau denjenigen besteht, die getauft sind „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19) und somit wiedergeboren aus dem Wasser und dem Geist (Joh 3,5), die den wahren Glauben bekennen und sich als lebendige Steine über dem apostolischen Felsen (Mt 16,18) auf dem Fundament Christi (1 Kor 3,11) zu einem geistigen Tempel, einem heiligen Priestertum erbauen lassen (1 Petr 2,5). Taufe, Glaube und Anerkennung der apostolischen Oberhirten sind seit eh und je Bedingungen für die Kirchenzugehörigkeit.

Dass sich die katholische Kirche als die eine und einzige Kirche Jesu Christi versteht, liegt somit ganz in der Kontinuität, die zwischen dem Alten und dem Neuen Bund besteht. Und übrigens ist es auch von der Kirche selbst her betrachtet mehr als verständlich, wenn sie keine anderen Gemeinschaften als ebenbürtig anerkennt. Welche Braut würde denn wohl sagen, neben ihr sei der Bräutigam durchaus auch anderen Frauen in gleicher Liebe zugetan, und das sei gut so...?

Die Folgen aus dem Identitätsverlust vieler Katholiken, zur einen und einzigen Kirche des Herrn zu gehören, können kaum ermessen werden. Von hier aus verliert sich alles ins Unbestimmte und Unverbindliche. Gott aber will gerade das Bestimmte und Verbindliche, sonst hätte Er sich in der Geschichte des Heils und in Seiner Offenbarung anders gezeigt. Daher brauchen wir Katholiken heute wieder ein klareres Bewusstsein von der Brautschaft der Kirche. Nein, nicht „Männerkirche“, sondern Braut des Herrn!


1. Teil:
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