Dienstag, 21. August 2012

Wahrhaftigkeit

"Im Sakrament der Beichte wird uns diese Begegnung mit Jesus in der Wahrheit geschenkt. Hier nehmen wir die Früchte des Opfers in Anspruch, das in jeder heiligen Messe neu vollzogen wird: Das ist der Kelch des Neuen und Ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Lateinisch: Hic est enim sanguis meus novi testamenti, qui pro multis effunditur in remissionem peccatorum. (Mt 26,28)

Bald wird das Wort "alle" im Missale in "viele" verändert werden, denn "multi" heißt viele, und nicht alle. Jesus hat sein Blut für alle vergossen, aber nicht alle nehmen sein Opfer an. Um zu den "vielen" zu gehören, ist es notwendig, sich bewusst zu werden, wo man selbst die Liebe zu Gott und den Menschen verletzt hat.

In der Beichte sitzt mir Jesus statt ein Mensch gegenüber. Der Priester spricht mir hörbar die Vergebung zu: Ego te absolvo, ich spreche dich los. So mache ich nicht nur die geistliche, sondern auch die menschliche Erfahrung, trotz meiner Sünden angenommen zu sein.

Hier ist die Werkstatt der Verwandlung: von Verblendung in Erkenntnis, von Hochmut in Demut, von Stolz in Armut, von Ärger in Mitgefühl, vom Herz aus Stein in ein Herz aus Fleisch. Ich sitze nicht mehr auf meinem hohen Ross und klage andere an. Ich bin heruntergestiegen, vielleicht heruntergefallen, und entdecke mich als Sünder unter Sündern. Jetzt erst wird Frieden möglich, denn Frieden gibt es nur zwischen Sündern."


aus: Gabriele Kuby: Selbsterkenntnis - der Weg zum Herzen Jesu (6) in SKS 15/20112

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