Montag, 6. August 2012

Verklärung des Herrn - "Auf ihn sollt ihr hören!"

Zum Fest der Verklärung Christi ein kleiner Auszug aus dem 1. Band des Buches "Jesus von Nazareth" von  Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., S.363/364 (s. Quellen):

"Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören" (MK 9,7).

Die heilige Wolke, die Schechina, ist das Zeichen der Gegnwart Gottes selbst. Die Wolke über dem Offenbarungszelt zeigte Gottes Gegenwart an. Jesus ist das heilige Zelt, über dem die Wolke der Gegenwart Gottes steht und von dem aus sie nun  auch die anderen "überschattet".

Die Szene der Taufe Jesu wiederholt sich, in der der Vater selbst Jesus aus der Wolke heraus als Sohn proklamiert hatte: "Du bist mein Sohn, der Geliebte. An dir habe ich Wohlgefallen" (Mk 1,11).

Zu dieser feierlichen Proklamation der Sohnschaft tritt nun aber der Imperativ hinzu: " Auf ihn sollt ihr hören." Hier wird der Zusammenhang mit dem Aufstieg des Mose auf den Sinai wieder sichtbar, den wir als Hintergrund der Verklärungsgeschichte am Beginn gesehen hatten.

Mose hatte auf dem Berg die Tora, Gottes weisendes Wort empfangen. Nun wird uns über Jesus gesagt: "Auf ihn sollt ihr hören." Gese (1)  hat diese Szene treffend so kommentiert: "Jesus ist zum göttlichen Offenbarungswort selbst geworden. Deutlicher, gewaltiger können es die Evangelien nicht darstellen: Jesus ist die Tora selbst" (a.a.O. S.81).

Die Erscheinung ist damit beendet, ihr tiefster Sinn zusammengefasst in diesem einen Wort. Die Jünger müssen mit Jesus wieder absteigen und immer neu lernen: "Auf ihn sollt ihr hören."
(1) Hartmut Gese, Zur biblischen Theologie, Alttestamentliche Vorträge; Chr. Kaiser, München 1977.
Hervorhebungen durch Fettdruck von Admin

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