Montag, 25. Juni 2012

Das Gericht

Herr, ich weiß um das Unrecht des Daseins. Immerfort widerstrebe ich der Wahrheit. Immer neu wird mein Herz des Bösen überführt. So verstehe ich die Botschaft vom Gericht und nehme sie an und beuge micht unter sie.

Das Gericht muß sein, auf das Gerechtigkeit werde. Das bekenne ich wider mich selbst, denn ich weiß, daß ich in ihm nicht bestehen kann; aber es soll sein, damit Dein Reich, welches Gerechtigkeit ist, komme, und Du "die Lobpreisung und die Ehre und die Macht" empfangest.

Ja, ich verlange nach Deinem Gericht. Es wird nicht über Andere ergehen, sondern über mich selbst; dennoch verlange ich nach ihm, weil ich nach der Wahrheit und Gerechtigkeit verlange. Der das Gericht vollziehen wird, bist Du, Herr Jesus Christus. Du wirst soviel Macht haben, als Du wahr und so groß sein, als Du heilig bist; furchtbar für die in der Unwahrheit und im Unrecht stehende Welt. Aber Du wirst nicht als Rächer und Zerstörer, sondern als Heiland kommen; so wird das Gericht die letzte der Gottestaten sein und die Erlösung vollenden.

Du, der alles weiß, weißt auch um mein Unvermögen. Du, der alles vermag, bist der Herr der Gnade. So gebe ich mich in Dein Urteil. Es wird die Wahrheit vollziehen, diese aber wird nach dem Worte Deines Apostels Liebe sein.

Amen.

aus: Romano Guardini: Theologische Gebete; Verlag Josef Knecht Frankfurt am Main AD 1944 





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