Montag, 16. Januar 2012

Von Berlin nach Rom

Im Folgenden ein Auszug der Bekehrungsgeschichte des aus Pommern stammenden Egon von Petersdorff (1892-1963). Unter dem Pseudonym "Comte de Vélan" hat er seine Autobiographie "Von Berlin nach Rom - Geschiche einer Bekehrung" verfasst.

Nach schlimmen bishin zu lebensbedrohenden Erfahrungen mit Esoterik, Okkultismus, Kommunismus u.v.m. kam er auf dem Krankenbett zu der Lektüre der "Seelenburg" von Theresia von Jesus (von Avila) und dem Exerzitienbüchlein von Ignatius von Loyola. 1928 wurde er durch den Jesuitenpater Georg von Sachsen in die katholische Lehre eingeführt und in die Kirche aufgenommen. 

Petersdorff studierte in Innsbruck Philosophie und Theologie mit dem Ziel, Priester zu werden, jedoch wurden ihm die heiligen Weihen, wie schon zuvor die erbetene Aufnahme bei den Jesuiten verweigert. Er ist Verfasser des umfangreichen Werkes "Dämonologie", quasi einer "systematischen Lehre von den Dämonen aus katholischer Sicht". In Meran in Südtirol erstellte er ein umfangreiches "Dämonologisches Archiv" und arbeitete an der Päpstlichen Bibliothek. Er war Malteser-Ritter und Päpstlicher Geheimkämmerer.

aus: Comte de Vélan
Von Berlin nach Rom - Geschichte einer Bekehrung" (s. Quellen):

"Als Krönung der mystischen Studien hatte ich mir die heilige Schrift vorbehalten, nachdem ich festgestellt hatte, daß das Lesen der Bibel den Katholiken nicht verboten war, wie die Protestanten immer behaupteten, und daß es außer der Luther-Bibel natürlich zahlreiche vollständige katholische deutsche Übersetzungen der Hl. Schrift gab. Ich las sie in einem unbeschreiblich schönen Frühling, der mir ein wahrhafter Geistesfrühling wurde, unter dem blühenden Kirsch- und Lindenbaum, am Gebirgsbächlein, im Garten von "Haus Einsiedel". Das Wort Gottes, von dem ich zwischen Schöpfungsgeschichte und Geheimer Offenbarung auch nicht einen Buchstaben ausließ, nahm mich in steigendem Maße gefangen und gab mir die letzte Gewißheit, für die Wahrheit des katholischen Glaubens.

Als Abschluß las ich noch das "Tridentinum", die Beschlüsse des Konzils von Trient, das sich recht eigentlich mit dem Protestantismus auseinandersetzte, und hatte dann gar keine Schwierigkeit mehr, die angehängte "Eidesform des Glaubensbekenntnisses", das damals von allen Klerikern abgelegt werden mußte, im Geiste gleichfalls zu unterschreiben: "diesen wahren katholischen Glauben verspreche, gelobe und schwöre ich zu bewahren und zu bekennen". Ich konnte ein "ungeheucheltes Ja und Amen" dazu sagen.

Die Zeit der Entscheidung war gekommen, die ich so lange und so oft für diese Jahresmittwende 1927 vorausgesehen hatte. Jetzt erst trat ich persönlich mit Vertretern der katholischen Kirche in Verbindung: zuerst mit einem Unbeschuhten Karmeliter-Pater in einem Kloster der hl. Theresia, an dessen Mauern während des mitternächtlichen Chorgebetes der D-Zug "Berlin-Roma" (!) vorbeisauste. Dann mit einem Sohne des hl. Ignatius, den ich zufällig schon im Kriege als Feldgeistlichen kennengelernt hatte. Und endlich war ich auch in Beuron bei dem liebenswürdigen Pater Willibrord Verkade, dem Mystiker und Konvertiten.

Überall stellte man mit Freude und Dankbarkeit fest, daß ich innerlich schon katholisch war und eigentlich keinen Glaubenszweifel mehr hatte. Die Gnade des übernatürlichen Glaubens war mir zuteil geworden und erleuchtete mir auch die schwerverständlichen Geheimnisse, ohne daß ich etwas anderes getan hatte, als mich der Wahrheit offenzuhalten: der Glaube wurde mir gleichsam "eingegossen". Ich war bereit, ihn sofort zu bekennen, auch öffentlich - aber da war noch ein großes Hindernis, das man ernst nahm und als Verzögerung gelten ließ. (...)

"Innerlich wund" fuhr ich unmittelbar darauf in das Alchymisten-Schloß, das inzwischen verkauft und Mönchskloster geworden war. Dort fand ich mich wieder  vor dem Tabernakel, der gerade an der Stelle errichtet war, wo früher die mittelalterlichen alchymistischen Retorten gestanden waren. "Das war ein erschütterndes Symbol für meinen eigenen Weg. Von der alchymistischen Transmutation, die hier vergebens versucht worden war, zur eucharistischen Transsubstantiation, die sich jetzt jeden Morgen unter dem ewigen Licht vollzog!"

Meine "innere Alchymie" hatte auch in mir zu einer Wandlung geführt, die durch keine Hindernisse mehr aufzuhalten war. Der Malermönch des Klosters malte gerade an einem großen Christus-Rex-Gemälde für einen etwas pompösen goldenenRahmen mit Krone und Szepter, den ich mit anderen meiner Möbel für die Neueinrichtung des Klosters gestiftet hatte, und der bisher dem großen Ölgemälde eines preußischen Königs, gemalt von einem mütterlichen Verwandten, gedient hatte. Mein Weg ging von Fridericus zu Christus Rex!

Ich sehe es als eine besondere Fügung Gottes an, daß ich wenig später einem Priester begegnen und von ihm dann in die katholische Kirche aufgenommen werden durfte, der dies beides in seiner Person vereinigte: Potsdam und Rom, Fridericus Rex und Christus Rex. Es war der königliche Sproß eines der alten ostdeutschen Markgrafengeschlechter, den ich schon erwähnte: Pater G. Gleich beim ersten Besuch in dem schönen neuen Haus der Gesellschaft Jesu, eine Stunde von meiner Einsiedelei entfernt, am Tage der hl. Theresia, fanden sich unsere Herzen in überraschender Übereinstimmung und später in Freundschaft; und obwohl Pater G. etwas jünger war als ich, wurde er doch mein "geistlicher Vater", der als Priester mich in die Lehre und Sitte der katholischen Religion einführte und in großer Liebe um meine Seele besorgt war.

Unvergeßlich die ersten Stunden, in denen mit unendlicher Ehrfurcht nur von Gott und seinen Eigenschaften gesprochen wurde; und dann die Waldspaziergänge nahe am Haus, auf denen praktische Fragen erörtert wurden! Samstag-Sonntag waren die stets ersehnten Tage dieses beglückenden Konvertiten-Unterrichtes; in der Woche verarbeitete ich in der Einsiedelei das Empfangene an Hand der großen Dogmatik von Scheeben, die mir in ihrer Ausführlichkeit das gab, was ich so nötig hatte: ein umfassendes und geschlossenes Weltbild der katholischen Lehre, welches endlich und endgültig das okkultistische Weltbild, zumal das Jakob Böhmes, in mir verdrängte und mich von Okkultismus und einem gewissen Mystizismus ablöste..."



Egon von Petersdorff bei kathpedia (bitte HIER klicken!)


Bild: Hl. Erzengel Michael; J.M. Rottmayr (1654-1730)
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