Montag, 19. Dezember 2011

Der freudenreiche Rosenkranz, 1. Geheimnis

"...den Du, o Jungfrau, vom Heiligen Geiste empfangen hast".

Lourdes: Verkündigung; Foto: Lawrence OP
Es spricht von jener wahrhaft stillsten Stunde, in der sich das Schicksal der Welt wendete. Von der Sehnsucht der in Sünde und Gottesferne verlorenen Schöpfung. Vom Ratschluß des ewigen Vaters, sie in einen neuen Anfang der Gnade aufzunehmen. Vom ersten Sich-Herneigen des Sohnes.

Es spricht von der Botschaft des Engels, welche Ruf und Frage zugleich ist: "Siehe, Du sollst empfangen und einen Sohn gebären und ihm den Namen Jesus geben..." Und von der vorbehaltlosen Bereitschaft der reinsten aller Frauen, jene zu sein, aus welcher der Sohn Gottes unser Menschenwesen annehmen sollte: "Siehe, ich bin des Herrn Magd, mir geschehe nach deinem Worte". (Lk 1,31.38)

Größere Stille hat nie ein Geschehnis umgeben. Schlichter ist nie eine Tat vollzogen worden. Die Entscheidung aber, die darin fällt, reicht von der Erde zum Himmel.

Das Ereignis kehrt in jedem gläubigen Leben geistlich wieder. Vor allem, wenn der Mensch zum ersten Mal - durch einen Menschen, oder durch ein Buch, oder eine innere Erfahrung - so von der Gestalt und dem Worte Christi berührt wird, daß er fühlt, hier ist die Wahrheit, und sich ihr in Bereitschaft zuwendet. Da geht der Herr als Gestalt und lebendige Kraft in ihn ein, und es beginnt, wovon die Rede war: das Durchdringen und Heranwachsen Christi im Menschen; das Eingestaltet-werden des Menschen in Ihn.

Von da ab erfolgt der Anruf immer wieder. Jedes Hören seiner Wahrheit, jedes Aufleuchten Seines Bildes, jede Mahnung Seines Gebotes fordert, Ihn tiefer ins Herz zu nehmen, Ihm das eigene Sein bereitwilliger zur Verfügung zu stellen.

Romano Guardini in: Der Rosenkranz Unserer Lieben Frau, AD 1940 (s. Quellen)

(Hervorhebugen durch Administrator)
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