Freitag, 9. September 2011

Maria, Mutter des Herrn

"Als Maria nach dem Heimgang ihres Sohnes bei Johannes weilte, haben die Gläubigen sie sicherlich aufgesucht und nach Jesus gefragt, war sie doch die einzige, die von dreißig Jahren seines Lebens Zeugnis geben konnte.

Foto: Lawrence OP; Herabkommen des Hl. Geistes
Auch zu ihr war der Heilige Geist gekommen und hatte sie das Geheimnis dieses Lebens verstehen gelehrt; den eigentlichen Sinn dessen, was sie, die göttliche Größe oft "nicht begreifend", durch all die Jahre  "in ihrem Herzen bewahrt" hatte (Apg 1,14; Lk 2,50f). Da war sie , wie kein anderer Mensch sonst, um Jesus wissend geworden.

Wenn jemand hören wollte, wer er sei, so gab es darauf die Antwort der Autorität, nämlich die der Apostel. Es gab aber auch die Antwort eines Wissens, das aus einer Nähe der Lebensgemeinschaft, einer Reinheit des Herzens und einer Tiefe der Liebe kam, die größer und inniger nicht gedacht werden kann, nämlich einer Mutter.

So kann es gar nicht anders sein, als dass die Menschen zu ihr gekommen sind und gebeten haben: "Erzähle uns von deinem Sohn!" Auch wird man nie abschätzen, was aus ihren Worten in die Berichte der Evangelien übergegangen ist. Einmal haben von ihr die Jünger Dinge erfahren, die nur sie wissen konnte; darüber hinaus aber wird das Licht ihres Herzens auch auf die bereits bekannten Geschehnisse gefallen sein und sie in einer neuen Weise erhellt haben."

aus: Romano Guardini (1885-1968): Vorschule des Betens

(Hervorhebungen durch Administrator)
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